In dieser Woche vor 22 Jahren...

...wurde die neue Aaseebrücke eingeweiht.

Als der Aasee in den Zwanziger Jahren als ABM-Projekt erweitert wurde, war am südlichen Ende eine Brücke fällig. Es war die Zeit der künstlerischen Experimente: Dadaismus, Futurismus, Kubismus, etc. Bei der Frage der Brückenarchitektur entschieden sich die konservativen Münsteraner für einen bemerkenswert progressiven Entwurf. Architekt Hensen plante eine Konstruktion im Stil des modernen Expressionismus – geometrisch, zackig, dynamisch.
Zu Ehren des Stadtwerkedirektors wurde die Brücke nach dessen Namen Torminbrücke genannt. Sie blieb weit und breit das einzig verwirklichte Beispiel expressionistischen Brückenbaus. Bis 1964 passierten nur Radfahrer und Fußgänger das Baudenkmal mit der markanten Silhouette.

Dann wurde der Westring an den Koldering angeschlossen und eine stetig wachsende Zahl von Autos fuhr über den alten Stahlbeton. Anfang der 1980er wurden Rost und Risse so schlimm, dass nur noch eine teure Sanierung geholfen hätte. Doch die Brücke war den Dimensionen des Verkehrs nicht mehr gewachsen, sowohl darauf, als auch darunter. Die Autos brauchten vier Spuren; die Segler höhere und weiter gespannte Pfeiler, um endlich eine Regatta über den gesamten Aasee fahren zu können.

Seltenes Baudenkmal, aber leider ein Verkehrshindernis für Autos und Segelboote. Außerdem heute nicht mehr antifaschismuskonform.

1989 wurde die neue Torminbrücke eingeweiht, auf der es gleich in den ersten Tagen zu einem Unfall kam, bei dem ein Auto das Geländer durchschlug und halb über der Kante hing. Heute hätte man die alte Brücke aus politischer Korrektheit sowieso abgerissen, weil die Sprossen der Kanzeln mit viel Phantasie ein Hakenkreuz bildeten.

Seltenes Baudenkmal, aber leider ein Verkehrshindernis für Autos und Segelboote. Außerdem heute nicht mehr antifaschismuskonform.

Autor: Carsten Krystofiak

Archivtexte Zeitzeichen

Carsten KrystofiakCarsten Krystofiak

Weitere Beiträge 2011