In dieser Woche vor 77 Jahren...

...kam Hitler als Hochzeitsgast.

Zuletzt war Hitler 1931 bei einer Wahlkampfshow in Münster. Er hatte keine guten Erinnerungen daran und schimpfte noch später über »diese Pfaffenstadt«! In seinen Augen war Münster eine Schande, weil Deutschland 1648 im Friedenssaal über den Tisch gezogen worden sei. Seine Mission sollte sein, den Westfälischen Frieden wieder rückgängig zu machen.

Trotzdem kam Hitler drei Jahre später wieder nach Münster, aber diesmal ganz diskret und inkognito. Die Münsteraner erfuhren nichts davon. (So schildert es jedenfalls Guido Knopp.) Sein Besuch war rein privat – als Trauzeuge auf der Hochzeitsfeier des Essener Gauleiters Josef Terboven mit Ilse Stahl, einer früheren Sekretärin des berüchtigten Schürzenjägers Goebbels. Damals war es Sitte, dass die Hochzeit am Ort des Elternhauses der Braut stattfand.

Hitler als Trauzeuge bei der Hochzeit am Aasee. In Gedanken ist er schon am Tegernsee, um den »Alten Kämpfer« Röhm abzumurksen.

Terboven, ein abgebrochener Studi, der seinen Job als Bankangestellter verloren hatte, heuerte schon früh bei Hitlers NSDAP an und gründete bereits 1925 die Ortsgruppe Essen, mitten im roten Ruhrgebiet. Solche Loyalität wurde reich belohnt: Terboven bekam zuerst ein Mandat als Abgeordneter im Reichstag, wurde dann zum Staatsrat ernannt und schließlich sogar Oberpräsident des Rheinlandes. Bei Kriegsbeginn schickte ihn Hitler als Stellvertreter nach Norwegen.
Für den Polterabend nach der Hochzeit blieb Trauzeuge Hitler keine Zeit mehr. Er eilte gleich zurück nach Berlin und von dort mit Zwischenstopp in Bad Godesberg weiter nach Bad Schwiessee in Bayern, um seinen ebenfalls altgedienten Kumpan Ernst Röhm um die Ecke bringen zu lassen...

Hitler als Trauzeuge bei der Hochzeit am Aasee. In Gedanken ist er schon am Tegernsee, um den »Alten Kämpfer« Röhm abzumurksen.

Autor: Carsten Krystofiak

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