In dieser Woche vor 85 Jahren...

...kam es auf der Sportbahn zu einem tödlichen Unfall.

Im Jahr 1885 hatte der münsteraner »Radsportclub Schwalbe« endlich das Geld zusammen, um eine 400 Meter lange Radrennbahn zu errichten. Gebaut wurde die Bahn in der Nähe des Schiffahrter Damms, in der Emsstraße. Die gab es allerdings noch gar nicht, denn das Flussviertel (auch »Blitzdorf« genannt), entstand erst später. Aber eine Kneipe stand dort schon. Praktischerweise wurde die Rennbahn so angelegt, dass die Kneipe Start und Ziel war.

Gedopt wurde damals nur mit Bier. Die Familie des rasenden Wirts von der Sportbahn betrieb die Start- und Zielkneipe bis vor wenigen Jahren.

Die Rennstrecke wurde schnell populär und Münster damit eine Hochburg des Radrennsports. Es wurden internationale Rennen ausgetragen und die besten Fahrer der Welt kamen in den 1920er Jahren hierher. Auch der Kneipenwirt stieg selbst aufs Rennrad. Mit Erfolg: Er wurde mehrfacher Amateurmeister und sogar dreifacher Westfalenmeister. Bei der Deutschen Meisterschaft von 1922 gewann er die Bronzemedaille.

Neben klassischen Radrennen wurden in Blitzdorf auch »Steherrennen« ausgetragen. Dabei fährt der Radler im Windschatten eines Motorrades bis zu 100 km/h. Das war wegen der damals unausgereiften Technik äußerst gefährlich. Der Münsteraner Hermann Guddorf stürzte bei einem Steherrennen an der Emsstraße und starb an seinen schweren Verletzungen. Das Unglück heizte den Nervenkitzel der waghalsigen Steherrennen weiter an: Das Spektakel blieb ein Publikumsmagnet.

1936 wurde die Rennbahn dennoch abgerissen, weil sie einem Wohnungsbauprojekt weichen musste. An die wilden Tage des Rennsports (und des Viertels) erinnert heute nur noch die Kneipe »Zur Sportbahn« an der Emsstraße.

Gedopt wurde damals nur mit Bier. Die Familie des rasenden Wirts von der Sportbahn betrieb die Start- und Zielkneipe bis vor wenigen Jahren.

Autor: Carsten Krystofiak

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