In dieser Woche vor 98 Jahren...

...ging Hindenburg in Pension.

Als General ging Hindenburg mit 73 Jahren in Rente. Seine Siege im I. Weltkrieg hatten ihn populär gemacht. Weil bei der Präsidentenwahl kein Kandidat gewann, trug man dem parteilosen Rentner das Amt an. »Lassen Sie mich damit in Ruhe«, war seine Antwort. In England hätte man Hindenburg gerne als deutschen Präsidenten gesehen, weil man dort viel von ihm hielt. Schließlich sagte er doch noch ja und wurde mit 77 Jahren gewählt. Er ist damit das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das je vom Volk direkt gewählt wurde.

Abstimmungsergebnis der Online-WN: Die meisten Münsteraner wollen ihren Hindenburgplatz behalten; politische Korrektheit hin oder her.

1928 wurde ihm zu Ehren Münsters Neuplatz nach ihm benannt. Doch als Präsident hatte er kein Glück. Die Regierungen kamen und gingen; die Zeiten waren chaotisch und Hindenburg wurde bei alldem nicht jünger. Trotz seiner Abneigung gegen den »böhmischen Gefreiten«, ernannte er Hitler zum Reichskanzler. Er konnte nicht in die Zukunft sehen. Zudem stand er unter dem Einfluss seiner »Berater« (besser: Einflüsterer). Die Nazis vereinnahmten erst seine Popularität und schoben »den Alten« dann aufs Abstellgleis.

Hindenburg gehört damit zu den tragischen Figuren unserer Geschichte. Muss man sich deshalb von ihm distanzieren? Alfons Kenkmann, Rainer Pöppinghege, Markus Lewe & Co. haben sich darin verbissen. Sie wollen die Geschichte ideologisch desinfizieren, indem sie seinen Namen ausradieren. Wem ist damit gedient? Bannen wir die Fehler unserer Geschichte, wenn wir sie weißwaschen?

Und wäre es nicht sinnvoller, Straßen und Plätze erstmal in Ordnung zu bringen und sicherer zu machen, bevor man sie umbenennt? Was ist eigentlich mit der Spardebatte? War da nicht was?

Abstimmungsergebnis der Online-WN: Die meisten Münsteraner wollen ihren Hindenburgplatz behalten; politische Korrektheit hin oder her.

Autor: Carsten Krystofiak

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