In dieser Woche vor 222 Jahren...

... kamen die Jacobiner nach Münster.

Im Jahr 1789 brach mit dem Sturm auf die Bastille die französische Revolution aus. Seitdem beneidet jeder rote Revoluzzer die Franzosen um die Mutter aller Revolutionen. Wer ahnt schon, dass dieses Ereignis nicht nur in Paris, sondern auch in Münster stattfand? Und zwar in Wolbeck.

Viele französische Bürger flüchteten vor dem Terror der Revolution nach Münster. Mit ihren Berichten aus Paris kamen auch die Ideen der Revolutionäre hierher. Bei dem buckligen Schreinermeister Heinrich Lammerding aus Wolbeck fielen sie auf fruchtbaren Boden. Er trank sich Mut an und proklamierte in der Dorfkneipe die Revolte! Die Wolbecker forderten das Recht, im Tiergarten frei Holz schlagen zu dürfen.

Der Robesspierre von Wolbeck: Es lebe die Revolution! Nieder mit dem Tiergarten! Zum Glück wurde niemand dabei enthauptet.

Die in Fahrt gekommenen Revolutionäre zogen mit Äxten in den Tiergarten und holzten etliche Bäume ab. Folge: Eine polizeiliche Vorladung beim Bürgermeister. Doch dieser wurde von den Vorgeladenen kurzerhand überwältigt und mit Gewalt gezwungen eine Urkunde zu unterschreiben, die den Wolbeckern erlaubte, soviel Bäume abzuholzen, wie sie wollten.

Dabei spielte der Fürstbischof von Münster aber nicht mit und schickte bewaffnete Truppen nach Wolbeck. Als diese abends dort eintrafen, wurden von den Wolbeckern herzlich empfangen und reichlich bewirtet – vor allem mit Schnaps! Ergebnis: Die besoffenen Soldaten waren handlungs-unfähig und mussten teilweise in Schubkarren zurück zur Garnison gefahren werden.

Die Wolbecker Revolution jubelte. Zu früh: Diesmal schickte der Fürstbischof nüchterne Elitetruppen. Die Revoltierer kamen mit milden Gefängnisstrafen davon.

Der Robesspierre von Wolbeck: Es lebe die Revolution! Nieder mit dem Tiergarten! Zum Glück wurde niemand dabei enthauptet.

Autor: Carsten Krystofiak

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