In dieser Woche vor 7 Jahren...

...starb Münsters Naturdenkmal.

Ein Jahr vor der Deutschen Reichsgründung baute sich Regierungsrat Schleebrügge an der Werse bei Handorf ein Anwesen im damals angesagten Stil des Historismus. Es sah aus wie eine mittelalterliche Festung. Fünf Jahre später kaufte Graf Bonifaz von Hatzfeld den Kasten und nannte ihn nach seinem Vornamen »Boniburg«.

Die Boniburg an der Werse war angesagter als der Coconut-Beach. Zu dieser Zeit war Münsters Baum-Naturdenkmal vorm Haus erst ca. 50 Jahre alt.

Nach dem Tod des kauzigen Grafen kaufte die Stadt die Boniburg und machte 1925 ein exklusives Ausflugslokal daraus. Den II. Weltkrieg überstand das Gebäudeensemble, nicht aber eine dubiose Brandstiftung. 1970 wurden die letzten Trümmer abgerissen. Der Park blieb erhalten: Der Boniburger Wald.

Einer überlebte die ganze Geschichte: Die riesige Blutbuche, die beim Bau der Burg gepflanzt wurde. Der Baum mit fast sieben Meter Umfang war Münsters Vorzeigenaturdenkmal. Generationen von Münsteranern sind auf Sonntagsspaziergängen vor der 140 Jahre alten Buche fotografiert worden. Buchen können über 200 Jahre alt werden.
2006 wurde der Wald im Rahmen eines EU-Projektes zum »Wersepark« ausgestaltet. Die Kosten von rund 300.000 Euro wurden subventioniert. Rund die Hälfte der ca. 5 Hektar sind nun ein Biotop. Doch damit begann die Blutbuche abzusterben. Man vermutet, dass die Bauarbeiten den Wasserhaushalt verändert haben.

Seitdem haben Pilze den Riesenbaum im Griff. In wenigen Jahren wird er restlos verrottet sein. Unterdessen sucht das Grünflächenamt den nächsten Superbaum. Heiße Anwärter auf den Nachfolgertitel des dicksten Baums von Münster sind einige Riesenplatanen an der Promenade und im Schloßgarten.

Die Boniburg an der Werse war angesagter als der Coconut-Beach.
Zu dieser Zeit war Münsters Baum-Naturdenkmal vorm Haus erst ca. 50 Jahre alt.

Autor: Carsten Krystofiak

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