In dieser Woche vor 25 Jahren...

...wurde die Aa zum Hudson River.

Weltstadtgefühl in Westfalen. Ausstellungsteilnehmer Josef Zutelgte aus Münster ist heute selbst Design-Dozent in New York.

Ein Dozent der münsteraner FH Design reiste mit seinen Studenten nach New York. Die Studenten waren überwältigt. Wieder zurück, verarbeiteten sie ihre Eindrücke zu einer Ausstellung. Für das Projekt fehlte nur das richtige New York-Flair.

Doch man wurde fündig: An der Mauritzstraße, dort wo heute das Parkhaus ist, war ein heruntergekommener Gewerbekomplex. Eine haushohe Durchfahrt hinter der Fassade führte zu alten Speichern. Die Lager hatten das perfekte Loft-Ambiente. Die Stadt staunte über die Ausstellung und die Kunstszene fühlte sich so avantgardistisch, als ob Münster nicht an der Aa, sondern am Hudson River liegen würde.

Zur Finissage gab es die größte Subkultur-Party, die Münster je gesehen hatte. Alles, was in der lokalen Szene eine Gitarre festhalten konnte, war dabei: Die Band von Helge Schneiders späterem Schlagzeuger (Cheap Gringos), die deutschen Psychobilly-Pioniere Sunny Domestozs, die Submentals mit dem späteren Chef der Musikmesse PopKomm undundund.

Dem immensen Besucheransturm war das Gebäude kaum gewachsen, weshalb ein Teil der Riesenparty auf der Straße stattfand. Das führte zu leichteren Scharmützeln mit der Polizei. Die war alarmiert: Im Vorfeld war das Event als Punker-Chaostage denunziert worden.

Dahinter steckte eine persönliche Rechnung. Fast hätte dies zum Verbot der Veranstaltung geführt. Für alle Fälle hielt die Polizei eine Hundertschaft im Rathausinnenhof bereit, doch alles blieb friedlich.

Für Münster war die New-York-Passage ein dicker Meilenstein auf dem Weg aus der kulturellen Provinzialität.
Weltstadtgefühl in Westfalen. Ausstellungsteilnehmer Josef Zutelgte aus Münster ist heute selbst Design-Dozent in New York.

Autor: Carsten Krystofiak

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