In dieser Woche vor 55 Jahren...

... wurde die KPD verboten.

Der Kommunismus strebt die »Diktatur des Proletariats« an. Das ist nicht wirklich kompatibel mit einer freiheitlichen Demokratie. Darum wurde die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 1956 verboten.

Das Verbot betraf auch die roten Genossen im schwarzen Münster. Diese fristeten als ewige Ein-Prozent-Partei ein Nischendasein. Das Hauptquartier lag in der Königsstraße 38, neben einem Tante-Emma-Laden. Hier tagte die Kreisleitung und plante die Weltrevolution.

Im Schaukasten neben der Haustür hing stets das aktuelle Exemplar der Parteizeitung »Das Volks-Echo«. Beim nicht-kommunistischen Volk fand das Pamphlet allerdings kein Echo.

Kommunistische Konspiration neben kapitalistischem Konsum an der Königsstraße: Das rote Volksecho fand im Volk nur wenig Echo.

Wenn die Genossen aus Klein-Muffi ihre Parteizentrale besuchten, trafen sie im Treppenhaus manchmal auf Mitglieder vom konservativen »Bund deutscher Vertriebener«, die ihr Büro ausgerechnet im selben Haus eine Etage über der Kommune hatten... die Nachbarschaft von Roten und Reaktionären war nicht immer harmonisch.
Mit dem Tag des Verbots wurden Parteibüro und Redaktion polizeilich geschlossen; der Schaukasten wurde abgehängt.
1968 wurde die KPD als DKP neugegründet. In Münster versuchten Drückerkolonnen nun, durch den Verkauf der »Kommunistischen Volkszeitung« an der Haustür, neue Genossen zu gewinnen – ein frustrierendes Geschäft. Mit demselben Erfolg bot der »Kollektivbuchladen« in der Buschmann-Passage am Drubbel von Ostberlin subventionierte DDR-Bücher, Propagandamedien und andere Ladenhüter feil.

Die DKP gibt es bis heute. Durchschnittsalter: 60 plus.

Kommunistische Konspiration neben kapitalistischem Konsum an der Königsstraße: Das rote Volksecho fand im Volk nur wenig Echo.

Autor: Carsten Krystofiak

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