In dieser Woche vor 96 Jahren...

...stürzten Münsters Flugpioniere ab.

Josef Suwelack aus Billerbeck träumte den alten Traum vom Fliegen. Als er von den Flugversuchen der Gebrüder Wright hört, ist er elekrisiert. Er bastelt einen Holzvogel auf Kufen, der von Pferden über eingeseifte Schienen gezogen wird. Die Schwerkraft siegt. Nächster Versuch: Er baut einen hohen Turm und wirft einen Amboss an einem Seil hinab. Am anderen Ende hängt sein Gleiter. Der fallende Amboss soll das Seil mit einer Geschwindigkeit anziehen, die zum Abheben reicht. Es reicht für ein paar Hopser.

Flieger, grüß mir die Sonne! Tollkühne Männer in klapprigen Kisten: Suwelack (links) 1911 mit Copilot vor seinem Kondor Eindecker

Dann trifft Suwelack den Fahrradmacher Anton Knubel. Zusammen konstruieren sie auf der Loddenheide einen tauglichen Flieger. Aber immer nur über Münster zu kreisen, wird schnell zu langweilig. Der forsche Pilot beschließt, für Deutschland den Passagierflug-Dauerrekord zu holen. Als Suwelack nach 4 Stunden und 34 Minuten halb erfroren landet, erfährt er verblüfft, dass er soeben den Weltrekord aufgestellt hat.

Zufällig lernt er einen steinreichen Industriellen kennen, der ihm Geld für eine eigene Flugzeugfabrik gibt. 1912 gründet der stolze Jungunternehmer die Kondor-Flugzeugwerke. Ein Jahr später startet ein Flugzeug made by Suwelack nur mit Kompass und Karte an Bord zum ersten europäischen Kontinentallinienflug: Berlin – Brüssel – Paris – London, mit Zwischenstopp in Westfalen.

Plötzlich ist in Europa Krieg! 1915 wird der 27jährige Suwelack über der Westfront abgeschossen. Fast zugleich stürzt Knubel zuhause bei einem Testflug ab. Auf einen Schlag verliert Münster seine beiden bedeutenden Flugpioniere.

Flieger, grüß mir die Sonne! Tollkühne Männer in klapprigen Kisten: Suwelack (links) 1911 mit Copilot vor seinem Kondor Eindecker.

Autor: Carsten Krystofiak

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