In dieser Woche vor 30 Jahren...

...wurde das Stadtblatt gegründet.

Anfang der 1980er fusionierten die Micro-Stadtmagazine Ultimo (später neugegründet) und Knipperdolling zum »Stadtblatt«.

Die Redaktion kam aus dem Umfeld von Münsters Alternativszene, Uni-AStA und der legendären Kronenburg-Kommune. Das Büro entstand am Hafenweg, der damals noch alles andere als ein »Kreativ-Kai« war. Hier war alles links, sogar die Henkel an den Kaffeetassen. Es gab im Wesentlichen nur zwei Ressorts: Politik und Kultur. Wirtschaft war zu kapitalistisch und Sport zu proletarisch.

Unter die Münsteraner kam das Stadtblatt werbefinanziert und kostenlos. Das Blatt erreichte einen Stellenwert als publizistische Instanz über das linke Milieu hinaus. Das war in den 1980ern nicht schwer: Erstens war es eine Alternative zur Hofberichterstattung in WN und MZ. Zweitens regierte die CDU damals im Alleingang und nach feudalistischer Gutsherrenart – und gab damit einen dankbaren Gegner ab.

Münsters Magenblatt der Alternativen prangerte jeden Monat ein neues Skandälchen an. Rechts auf dem Titel: Redakteur Jürgen Kehrer.

Außerdem rekrutierte man gute Köpfe: Christoph Busch (heute Drehbuchschreiber und Fernsehpreisträger), Christop Becker (heute Geschäftsführer der Musiksparte von Constantin Film) und Wilsberg-Autor Jürgen Kehrer zählten zu den Redakteuren.

Andererseits schwang im ganzen Heft stets eine feierliche Empörung mit und jedes winzige Wehwehchen wurde als himmelschreiende Menschenrechtsverletzung angeprangert.

Anfang der Neunziger fühlten sich die Herausgeber stark genug, um in den Kioskverkauf zu gehen. Aber die Münsteraner hatten kein Interesse, für den Inhalt zu bezahlen. 1994 wurde das Projekt endgültig eingestellt.

Münsters Magenblatt der Alternativen prangerte jeden Monat ein neues Skandälchen an. Rechts auf dem Titel: Redakteur Jürgen Kehrer.

Autor: Carsten Krystofiak

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