In dieser Woche vor 66 Jahren...

...setzte sich Galen für Panzermeyer ein

Münsters Bischof Galen hatte viel Mut bewiesen und sich von den National-Sozialisten nicht einschüchtern lassen. Seine Protest-Predigten brachten die Naziführung auf die Palme. Sie planten, Galen auf dem Domplatz öffentlich aufhängen zu lassen – nach dem »Endsieg«, denn sie fürchteten, »dass wir Westfalen sonst für den Krieg abschreiben können.«

Den Endsieg sollten Kerle wie Kurt Meyer erkämpfen. Meyer, genannt »Panzermeyer« war Kommandant eines SS-Regiments. Panzermeyers Motto lautete: »Geweint wird, wenn der Kopf ab ist«. Getreu dieses Mottos schonte er auch keine Gegner. Als er in Gefangenschaft geriet, warf man ihm grausige Kriegsverbrechen in Frankreich vor.

Panzermeyer als Plastikmännchen im Modellbausatz. Münsters Bischof Galen rettete ihm das Leben, doch Meyer glaubte weiter an Hitler.

Ein kanadisches Gericht verurteilte ihn zum Tod durch Erschießen. Während er in der Todeszelle saß, setzten sich einige Personen des öffentlichen Lebens für seine Begnadigung ein – darunter Bischof Galen. Meyers Beteiligung an Judenerschießungen hatte man Galen vor dessen Fürsprache verschwiegen. Galen und die anderen erreichten eine Umwandlung des Todesurteils in lebenslange Haft. Die durfte Meyer in Deutschland absitzen, im Knast von Werl.
Nach neun Jahren wurde er begnadigt und wurde Vertriebsleiter einer westfälischen Bierbrauerei.

Nebenbei engagierte er sich eifrig in der »Hilfsgemeinschaft« ehemaliger SS-Mitglieder, deren Bundessprecher er wurde. In seinem Wohnzimmer hing weiterhin ein Hitlerbild.

Das erlebte Kardinal Galen allerdings nicht mehr: Er starb bereits ein Jahr nach Kriegsende – 15 Jahre vor Panzermeyer. Absurde Geschichte.

Panzermeyer als Plastikmännchen im Modellbausatz. Münsters Bischof Galen rettete ihm das Leben, doch Meyer glaubte weiter an Hitler.

Autor: Carsten Krystofiak

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