In dieser Woche vor 20 Jahren...

...hatte Münster seinen ersten Sanierungsfall

Östlich der Westfalenstraße vor Hiltrup lag eine alte Sandgrube. Wie praktisch, dachte man, und entsorgte dort lustig große Mengen chemischer Abfälle. In den Sechziger Jahren entstand auf der Deponie die Siedlung Gorenkamp und viele Familien zogen dort ein.

Münsters erster großer Sanierungsfall: Der Gorenkamp in Hiltrup wurde auf einer Giftkippe gebaut. Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Mitte der 1980er wurde der Boden untersucht. Der Labortest ergab eine hohe Schadstoffkonzentration, die offiziell als gesundheitsgefährdend eingestuft wurde. Im Boden fanden sich u.a. PCB-Chlorverbindungen, die als krebserregend gelten und darum 2001 weltweit verboten wurden. Bis in die 80er wurden PCB als Weichmacher in Lacken, Dichtungen und Kunststoffen verwendet. Als Folgen eines Dauerkontakts traten Akne, Haarausfall und Immunschäden auf.
Die Stadt kaufte die Häuser auf und ließ 8.000 Tonnen Boden ausheben und abtransportieren.

Die münsteraner Firma Oevermann und der Holzmann-Konzern gründeten 1991 eine Bodensanierungsanlage an der Robert-Bosch-Straße. Dort wurde das kontaminierte Erdreich auf drei große Felder verstreut und mit Mikrobakterien aus Klärwasser der Kläranlage Coerde behandelt. Damit die Bakterien auf Betriebstemperatur kamen, wurde der Boden von unten erwärmt.

Die Technik funktionierte: Nach einem Vierteljahr hatten die Bakterien die Schadstoffe soweit reduziert, dass der Boden für den Straßenbau, für Kanalarbeiten und Lärmschutzwälle wiederverwendet werden konnte. Heute müssen ausgewiesene Baugebiete vor ihrer Erschließung auf Altlasten im Boden untersucht werden.

Münsters erster großer Sanierungsfall: Der Gorenkamp in Hiltrup wurde auf einer Giftkippe gebaut. Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Autor: Carsten Krystofiak

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