In dieser Woche vor 114 Jahren...

...wurde Franz Busche geboren.

Zwischen Frauenstraße und Überwasserstraße lag früher Münsters verrufenstes Viertel. In den Straßen Tasche, Brink und Ribbergasse lebten nach einem alten münsteraner Reim »Messerstecher erster Klasse«. Laut damaliger Statistik vor allem ambulantes Gewerbe: Scherenschleifer, Hausierer, Kirmes-schausteller. Dazwischen Arbeitslose und Prostituierte.
Mittendrin, auf der Ecke Jüdefelderstraße/Ribbergasse war der »Krug zu Überwasser«, geführt vom Ehepaar Busche. In der Herberge wurde Altbier gebraut und Schnaps ausgeschenkt. Obwohl viele Gäste ständig in diverse Delikte verwickelt waren, kam es hier nie zu einer größerem Schlägerei. Busche hatte in seinem Kiez alle im Griff.

Nach dem Krieg wurde das Elendsviertel abgerissen. Busche stieg sozial auf: Von der Ribbergasse zum feinen Spiekerhof. Gegenüber vom Kiepenkerl eröffnete er wieder eine kleine Herberge: Das Hotel am Dom. Statt rustikaler Altbierbrauerei bot Busche nun gepflegten Übernachtungskomfort.

Hinter der nächsten Ecke begann Münsters Messerstecher-Kiez. Wirt Busche schaffte den Aufstieg zum Hotelier am Spiekerhof.

Zur besten Werbung für das Familienunternehmen wurde ein Kinofilm: Busches Hotel wurde in den Sechzigern zum Drehort des ersten deutschen Roadmovies »Alle Jahre wieder«. In dem kleinen Hotel trifft der Hauptdarsteller heimlich seine Geliebte, während er gleichzeitig mit seiner Familie Weihnachten feiert.

Der Film brachte nicht nur Busche, sondern auch Münster einen großen Popularitätsschub. Dass der Kultfilm ausgerechnet in unserer Nicht-Metropole gedreht wurde, lag schlicht daran, dass die Filmemacher-Brüder Schamoni und Hauptdarsteller Schwarze Münsteraner waren. Das Hotel gibt es bis heute.

Hinter der nächsten Ecke begann Münsters Messerstecher-Kiez.
Wirt Busche schaffte den Aufstieg zum Hotelier am Spiekerhof.

Autor: Carsten Krystofiak

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