In dieser Woche vor 6 Jahren...

...hat‘s das Münsterland kalt erwischt.

Am 25. November blies das Tief Thorsten kalte und sehr nasse Polarluft ins Münsterland. Am frühen Morgen fing es an zu schneien. Und schneite bis zum Abend. Und die ganze Nacht. Bis zum nächsten Mittag.

Kein Strom geht ja noch – aber wenn man nicht mehr Fahrradfahren kann, dann herrscht im Münsterland wirklich Schneechaos!

Weil der Schnee sehr nass war, haftete er besonders gut. Und weil es so viel Schnee war, hatte er ein hohes Gewicht. Eichen brachen unter den Lasten zusammen. Auch rund 50 Strommasten konnten das Gewicht nicht mehr tragen und knickten um. Die Kabelbrüche führten zu Kurzschlüssen. In 25 Gemeinden fiel der Strom aus.

In Münster wurde der Bunker im Hauptbahnhof als Notunterkunft geöffnet. Feuerwehr, technisches Hilfswerk und sogar die Bundeswehr taten, was sie konnten. Doch in einigen Kreisen blieben die Helfer selbst im Schnee stecken. Besonders kalt erwischte es Ochtrup: Hier gelang es erst nach vier Tagen, den Strom wieder anzuschalten.

Derweil hatten die Medien das Münsterland entdeckt. Der deutsche Wetterdienst prägte das Wort vom »Schneechaos im Münsterland«. Sämtliche Fernsehsender bemühten sich, verzweifelte und halb erfrorene Opfer zu präsentieren, doch die meisten Münsterländer kamen mit der Lage erstaunlich gut zurecht. Man rückte eben vor dem Kamin zusammen. Zur Enttäuschung der Reporter wollte keine rechte Katastrophenstimmung aufkommen. Stattdessen kam es neun Monate später zu einem Geburtenanstieg. Der Stromversorger RWE zahlte für jedes Baby, das im August 2006 im Münsterland geboren wurde, einmalig 300 Euro.

Um einen wiederholten Stromausfall zu vermeiden, sollen bis 2015 alle alten Strommasten erneuert werden.

Kein Strom geht ja noch – aber wenn man nicht mehr Fahrradfahren kann, dann herrscht im Münsterland wirklich Schneechaos!

Autor: Carsten Krystofiak

Archivtexte Zeitzeichen

Carsten KrystofiakCarsten Krystofiak

Weitere Beiträge 2011