In dieser Woche vor 88 Jahren...

...verschwand die Sonnenmonstranz.

Das heiligste Heiligtum im Dom zu Münster war die Sonnenmonstranz, die nur zu besonderen Anlässen aus dem Tabernakel geholt wurde. Auch kunsthistorisch war der Kultgegenstand von hohem Wert: Das 60 cm hohe Prunkstück war aus Gold und mit Edelsteinen aus dem Familienschmuck von Fürstbischof Bernhard besetzt.

Treffen sich zwei Hellseher: »Ich sehe die Sonnenmonstranz im Heizungsschuppen!« »Ich weiß.« Trotz Astro-Ermittlern blieb der Fall ungelöst.

Doch bei der Schlussandacht des traditionellen 40-Stunden-Gebetes war die Monstranz plötzlich nicht mehr da. Der Verdacht fiel auf den zweiten Küster, Ludwig Gräffker. Er wurde sofort verhaftet und verhört. Sieben Monate saß Gräffker in U-Haft. Eine Katastrophe für die Familie, der nun der Ernährer fehlte und mit der niemand mehr etwas zu tun haben wollte.

Weil die Ermittler nicht weiter kamen, wurden schließlich zwei Hellseher eingeschaltet. Der erste kam aus Bünde und war in ganz Deutschland berühmt. Er meinte, die Monstranz sei nicht direkt abtransportiert worden, sondern noch drei Tage im Heizungsschuppen des Doms versteckt gewesen. Der zweite Hellseher stammte aus Frankreich und ließ sich über den Fall schriftlich berichten. Er kam in seinem Antwortbrief jedoch zu keiner konkreten Erkenntnis.

Schließlich wurde rekonstruiert, dass Gräffker einer Touristengruppe die Monstranz gezeigt hatte. Unter den Touristen war auch ein Mann im Priesterornat gesehen worden, obwohl bei der Gruppe kein Priester angemeldet war.

Die Monstranz tauchte nie wieder auf. Gräffker wurde als unschuldig entlassen, von der Kirche aber nicht wieder eingestellt: »Wir sind kein Wohlfahrtsinstitut.« Er fand eine Beschäftigung beim Amtsgericht.

Treffen sich zwei Hellseher: »Ich sehe die Sonnenmonstranz im Heizungsschuppen!« »Ich weiß.« Trotz Astro-Ermittlern blieb der Fall ungelöst.

Autor: Carsten Krystofiak

Archivtexte Zeitzeichen

Carsten KrystofiakCarsten Krystofiak

Weitere Beiträge 2011