In dieser Woche vor 26 Jahren...

fand das erste Konzert im Aladin statt

Eigentlich war das Aladin nur ein persisches Restaurant an der Wolbecker Straße, gegenüber vom alten Arbeitsamt. Doch einigen jugendlichen Szenemusikern gelang es irgendwie, den exiliranischen Wirt zu überreden, die alte Kegelbahn hinter dem Thekenraum zu einer Location für Subkultur-Konzerte zu machen. Also wurden die morschen Kegelbahnen notdürftig abgedeckt, eine Bühne aus Sperrholz improvisiert und ein paar Disco-Lichter aufgehängt.

Schon konnte es losgehen. Als erste traten Münsters Psychobilly-Stars Sunny Domestozs auf. Auch die Erfinder des »Cow-Punk« aus Borken (später Berlin), die Waltons, lieferten eine wilde Liveshow. Die Fans waren begeistert - die Hausbewohner über dem Saal entsetzt! Trotzdem fanden noch einige weitere Konzerte in dem Wohnhaus statt, z.B. mit der Punkband Submentals oder den Pop-Rockern I.C.U.

Der erste Live-Act auf der alten Kegelbahn im Aladin: Sunny Domestozs. Die Band gibt‘s noch; den Laden längst nicht mehr.

Nicht nur lokale Bands fanden hier eine Bühne, auch DJs konnten an ihrer Kunst feilen. Ein gewisser Götz Alsmann legte ab und zu Raritäten auf und der Sänger von Sunny Domestozs stand in Mönchskutte als »Der Schwarze Abt« (vgl. Edgar Wallace) hinterm Plattenteller.

Die persische Betreiberfamilie stand dem bunten Treiben zwar etwas ratlos bis skeptisch gegenüber, erfreute sich aber am Getränkeumsatz der Münster-Punker - eine Win-Win-Situation.

Als Verlierer fühlten sich allerdings die Anwohner. Außerdem wurde den Ordnungsamtsmitarbeitern schwarz vor Augen, als sie die wackelige Sperrholzbühne sahen. Damit hatte sich das Konzertvergnügen nach einer kurzen heißen Phase wieder erledigt.

Der erste Live-Act auf der alten Kegelbahn im Aladin: Sunny Domestozs. Die Band gibt‘s noch; den Laden längst nicht mehr.

Autor: Carsten Krystofiak

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