In dieser Woche vor 58 Jahren...

kam Münster ins Schwimmen.

Seit der Eingemeindung der dörflichen Vororte 1975 ist Münster mit Schwimmbädern üppig möbliert - trotz Schließung dreier Bäder im Sparstreit 2009.

Das war nicht immer so: Nach dem Krieg waren die Badeplätze lange eingeschränkt. Das Stadtbad II an der Wolbecker Straße war ein reines Wannen- und Brausebad und wurde von Besuchern genutzt, die zuhause keine oder unzureichende sanitäre Anlagen hatten. Dies scheinen nicht wenige gewesen zu sein: Noch im letzten Betriebsjahr 1975 kamen fast 9.000 Münsteraner zum Baden und Duschen. 1978 wurde das Wannenbad abgerissen.

Der Wellness-Spa-Trend des Jahres 1950: Die Reste der alten Flussbadeanstalt Stapelskotten in der moddrigen Werse.

Bis 1945 gab es hinter der Torminbrücke ein offizielles Aasee-Freibad. Nach dem Krieg wurde es nicht wiedereröffnet, aber das Baden zwischen Brücke und Averkampstraße durch Schilder amtlich genehmigt. In der Werse gab es zwei Freibäder: Das alte Wersebad Stapelskotten, zwischen Pleistermühle und dem heutigen Freibad, sowie die »Flussbadeanstalt« Sudmühle. In den 1950er Jahren wurde das Badevergnügen in der Werse behördlich gestoppt, weil man einen Zusammenhang zwischen Wasserqualität und einem Anstieg der Kinderlähmung vermutete.

Das Stadtbad Mitte (auch Zoobad, weil sich der Zoo früher auf dem Gelände der heutigen LBS befand), war im Krieg zerstört worden. Aus den Trümmern hatten Metalldiebe sämtliche Wasserrohre herausgeschnitten und auf dem Schwarzmarkt verhökert. Mit Grundsteinlegung des Neubaus Mai ‘54 wurde die Lage erheblich entspannt, blieb aber auch 20 Jahre unverändert, bis das Ostbad hinzukam.

Angeblich soll man im Aasee theoretisch bald wieder schwimmen können. Wer will das testen? Brrr!

Der Wellness-Spa-Trend des Jahres 1950: Die Reste der alten Flussbadeanstalt Stapelskotten in der moddrigen Werse.

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Autor: Carsten Krystofiak

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