In dieser Woche vor 39 Jahren...

wurde die Villa Gescher planiert.

Der Jurist Alfred Clemens Maria Gescher wurde 1897 wegen bester Referenzen zum Regierungspräsidenten von Münster ernannt. U.a. hatte er dem Sultan von Konstantinopel westfälische Jagdhunde besorgt. Gescher machte seinen Job gerne: Er engagierte sich sehr für Münsters Uni und in zahlreichen Vereinen, vom Hundeclub bis zum Sportverband. Nur eines fehlte noch zum perfekten Glück - der Adelsstand. Mit freundlicher Hilfe wohlgeneigter Kreise kam Gescher aber doch noch zum ersehnten »von«. Seine frechen Neffen nannten ihren stolzen Onkel ab da nur noch den »Von-kel«.

Als standesgemäßen Sitz kaufte er das Landhaus Mauritzheide und ließ es abreißen. An seiner Stelle entstand eine prächtige Villa mit einem imposanten Park. Darin lag eine künstlich angelegte Insel mit einem griechischen Tempel darauf. Auf die Insel führten zwei Holzbrücken.
Nach Geschers Tod 1932 lebte nur noch seine Tante in der riesigen Villa. Nach dem Krieg zogen vorübergehend einige Clemensschwestern in das unzerstörte Gebäude. Kurzzeitig sollte sogar die Raphaelsklinik dorthin verlegt werden. Doch die Villa verfiel immer mehr, schließlich hausten nur noch Penner darin. 1973 ließ die Stadt das Anwesen abreißen.

Standesgemäßer Sitz für den Vonkel: Die Mauritzheide. Heute sind vom Luxus nur noch wenige Spuren übrig.

2006 kaufte die Wohn + Stadtbau das Grundstück an der Mauritzheide zwischen Kanal und Schiffahrter Damm. Ein früherer Plan, dort Seniorenwohnungen zu bauen, wurde nicht realisiert. Der verwilderte Park gilt inzwischen als schützenswertes Biotop. Die Insel, Reste der Stege sowie einige Ruinen der Villa sind bis heute zu erkennen.

Standesgemäßer Sitz für den Vonkel: Die Mauritzheide. Heute sind vom Luxus nur noch wenige Spuren übrig.

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Autor: Carsten Krystofiak

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