In dieser Woche vor 50 Jahren...

eröffnete Horten in Münster

Die Adresse Ludgeristraße 1 war prominent und die Presse voll des Lobes: Auf dem Grundstück der ehemaligen Sparkasse hatte der Horten-Konzern ein Vollsortiment-Kaufhaus in Münster eröffnet.

War es für die Münsteraner damals schon ungewohnt genug, dass man sich in einem Laden selbst bedienen durfte, statt dem Verkäufer einen Einkaufszettel zu reichen, war es geradezu ein Kulturschock, alle Güter des täglichen Bedarfs in einem einzigen Geschäft zu erhalten.

Die Horten-Kacheln sehen nicht nur aus wie ein Eierkarton, sondern stammen auch vom Designer Egon Eiermann.

Das Gebäude stellte eine Besonderheit dar: Obwohl alle Horten-Kaufhäuser eine einheitliche Waben-Fassade haben sollten (sog. »Horten-Kacheln«), wurde in Münster zum Wohl der Altstadt darauf verzichtet. Trotzdem brummte der Laden. Konkurrent Karstadt hatte es versäumt, sich rechtzeitig in Stellung zu bringen: Obwohl die Baugrube für ein Karstadt-Kaufhaus an der Salzstraße schon 1929 ausgehoben wurde, dauerte es bis 1959, bis die Filiale endlich eröffnet werden konnte! 30 Jahre prägte das gähnende »Karstadt-Loch« Münsters Innenstadt.

In den 80ern probierte Horten neue Wege aus: Die Standorte Heidelberg und Münster wurden zum Test für das »Galeria«-Konzept. Geholfen hat‘s nicht – Horten wurde vom Kaufhof-Konzern geschluckt.

Inzwischen hatte auch Karstadt sein überaltertes Kaufhaus modernisiert und rüstete sich zum Wettbewerb. Verlierer dieses Wettbewerbes waren traditionelle Einzelhändler wie der Delikatessenladen Anna Koene in der Ludgeristraße. Verantwortlich dafür sind allerdings die Konsumenten, nicht die Konzerne.

Die Horten-Kacheln sehen nicht nur aus wie ein Eierkarton,
sondern stammen auch vom Designer Egon Eiermann.

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100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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