In dieser Woche vor 162 Jahren...

trieben die Fische in der Aa kieloben.

Anfang Juni bot sich den Münsteranern unerwartet ein schockierendes Bild: Tausende von Fischen trieben tot in der Aa. Tagelang mussten Wagenladungen stinkender Fischkadaver weggeschafft werden.

Professor Landois verfasste einen aufrüttelnden Zeitungsartikel: »Wer kennt nicht die Pestilenz der Aa von dem Ausfluß derselben aus der Stadt bis zur Einmündung in die Ems? Im Sommer ist der Fluß dort ein brodelnder Topf giftiger Miasmen, pechschwarz, dick, mit krustenartig aufschwimmenden Fäkalien, ohne jegliche Bewegung stagnierend, abscheuliche Gerüche ausdunstend, alles Leben zu Grunde richtend - kurz und gut: Der Styx, der zur Vorhölle führt, ist ein Silberquell gegen unsere Aa!«

Das stinkende Rinnsaal des Parallelarms der Aa zwischen Spiegelturm und Tibus auf einem Stadtplan von 1956.

Das war nicht übertrieben: Im Wasser der Aa trieben tote Haustiere, badeten die Schweine, wurden sämtliche Abwässer der Stadt aus Toiletten und Betrieben wie Gerbereien, Färbereien und Wäschereien entsorgt.

Bis in die 1950er Jahre führte übrigens noch ein zweiter Arm der Aa vom Spiegelturm hinterm Breul vorbei bis zum Tibusplatz. Weil sich bei niedrigem Wasserstand im Sommer Fäkalien und Müll in großen Bergen ablagerten, wurde die Aa erstmals 1850 und nochmals um 1900 tiefergelegt, durch Wehre reguliert und auszementiert.

In den Siebzigern zwängte man die Aa auch am Zentrum Nord in eine Betonwanne. Knapp 20 Jahre später wurde alles wieder zurückgebaut und der Fluss aufwändig renaturiert. Seit Landois hat sich die Wasserqualität verbessert. Heute belastet hauptsächlich die Landwirtschaft die Aa.

Das stinkende Rinnsaal des Parallelarms der Aa zwischen Spiegelturm und Tibus auf einem Stadtplan von 1956.

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Autor: Carsten Krystofiak

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