In dieser Woche vor 10 Jahren...

retteten die Münsteraner die Stadtwerke

1901 fasste die Stadt Münster ihre Strom-, Gas- , Wasser - und Verkehrsbetriebe in einer eigenen Gesellschaft zusammen: Geburt der Stadtwerke. Seitdem sind die Stadtwerke zu 100 % ein Tochterunternehmen der Stadt.

2002 wollten CDU und FDP sowie die Stadtwerke-Geschäftsführung die Stadtwerke zu 49 % an einen privaten Investor verkaufen. Der Verkauf, so wurde den Münsteranern erklärt, habe nur Vorteile: Ein privater Unternehmer könne mehr Arbeitsplätze schaffen und - wie bei Telefonanbietern - die Preise senken. Außerdem könne man mit dem erwarteten Millionenpreis Münsters Schulden bezahlen.

Die Bürger waren skeptisch. Wieso sollte ein Privatunternehmer, der naturgemäß Gewinn erwirtschaften will, mehr Arbeitsplätze schaffen statt Lohnkosten abzubauen und warum Preise senken statt erhöhen, wenn er eine lokale Marktmacht hat?

Für Münster wär‘s ein schlechtes Geschäft geworden. Vielleicht wären die Stadtwerke heute völlig abgebrannt.

Es formierte sich Widerstand. Das Bürgerbegehren warnte davor, das »Tafelsilber« städtischer Energieversorgung und Infrastruktur in fremde Hände zu geben. Der Verkaufserlös sei schnell aufgebraucht, die Stadtwerke brächten dagegen kontinuierlich Geld in die Stadtkasse. Die Stadt blieb uneinsichtig, es kam zum Bürgerentscheid. Die Frage lautete: Soll die Stadt alleinige Inhaberin der Stadtwerke bleiben?

65,4 % stimmten für Ja; 34,6 mit Nein. Da das Ja-Quorum von 20 % übertroffen wurde, war der Bürgerentscheid bindend. Die Geschäftsführer der Stadtwerke waren beleidigt, Volkswirte der Uni kritisierten das Ergebnis. Heute kann Münster vermutlich froh darüber sein.

Für Münster wär‘s ein schlechtes Geschäft geworden.
Vielleicht wären die Stadtwerke heute völlig abgebrannt.

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Autor: Carsten Krystofiak

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