In dieser Woche vor 43 Jahren...

tanzten Nackte vorm Theater.

Münster hatte was zu feiern: Die Städtischen Bühnen legten den Grundstein für das Kleine Haus. Damals hatte das Theater noch Geld. Doch der Festakt verlief anders als geplant.

Was für ein Theater! Der nackte Protest gegen die »Unterdrückung« durch den Intendanten, entzückte vor allem die Jungs (lechz!).

Eine Gruppe Studenten fühlte sich durch die Grundsteinlegung zum Protest herausgefordert. Sie meinten, dass der Intendant kein Recht habe, den Spielplan zu bestimmen. Stattdessen müsse über jede Inszenierung, Regie und Rollenbesetzung basisdemokratisch abgestimmt werden. Das Theater sei auch nicht zur Unterhaltung da, sondern müsse marxistischer Volkserziehung dienen. Darüber wolle man nun »diskutieren«. Dazu schnitten die Studis dem Festredner erstmal das Mikrofonkabel durch.

Intendant Horst Gnekow blieb bemerkenswert ruhig und versuchte sogar, den jungen Leuten Argumente entgegenzuhalten. Daran hatten die »Aktivisten« aber wenig Interesse. Sie klagten Gnekow nun mittels einer Straßentheateraufführung als Gewaltherrscher an, weil er es gewagt hatte, bei früheren Störungen die Polizei zu rufen.

Währenddessen kam die Grundsteinlegung langsam zum Ende: Ein Luftwaffen-Blasorchester spielte auf. Das nutzten die Studenten zum letzten Protest-Akt. Nachdem sie die Militärmusiker erfolglos provoziert hatten, entschieden sich drei Männer und eine Frau für einen spontanen Nackttanz - sehr zur Erbauung der zuschauenden männlichen Protestkameraden. Das ganze Theater wurde in einem kruden Agitationsfilm mit dem Titel »InterACTion« dokumentiert.

Was für ein Theater! Der nackte Protest gegen die »Unterdrückung« durch den Intendanten, entzückte vor allem die Jungs (lechz!).

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Autor: Carsten Krystofiak

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