In dieser Woche vor 125Jahren...

bekam Münster endlich Telefon.

Das Telefon revolutionierte die Kommunikation - das »Facebook« des 19. Jahrhunderts!
Um 1880 hatten schon viele Städte ein eigenes Telefonnetz; nur Münster hinkte als Provinzialhaupstadt noch hinterher.

Darum beschloss der Stadtrat Anfang August endlich, die ersten Leitungen zu verlegen. Fünfzig Anschlüsse wurden zunächst vergeben. Der Verleger Anton Hüffer (Aschendorff), der die Initiative angestoßen hatte, bekam die Telefonnummer 1.

Rasante Entwicklung: Ein münsteraner Politiker testet Anfang der 80er verzückt das neue Tastentelefon in der Trendfarbe beige.

Man konnte allerdings nicht direkt anrufen, sondern musste sich erst von der Vermittlungsstelle verbinden lassen. Diese Zentrale lag auf dem Domplatz, im Keller der Post. Das Telefonieren kam aber so gut an, dass das Netz ein Jahr später um noch einmal dreißig Anschlüsse erweitert wurde. Die städtische Feuerwache am Martinikirchturm hatte die Rufnummer 72. Den einzigen Privatanschluss in der Wohnung leistete sich der Juwelier Osthues, ansonsten waren alle Teilnehmer Firmen und Geschäfte. Auch um Bürgernähe bemühte man sich schon: Die Stadtverwaltung war ebenfalls an vier Apparaten erreichbar.

Doch war das Telefonnetz immer noch auf Münster beschränkt. Die ersten Ferngespräche wurden erst 1921 möglich, nun konnten Münsteraner in Köln oder Hannover anrufen. 1934 fiel die Vermittlung weg – das »Fräulein vom Amt« war überflüssig. Kurz darauf wurden die ersten 14 öffentlichen Münzfernsprecher für den Fernverkehr aufgestellt. Bei Kriegsausbruch hatte Münsters Telefonbuch 67.703 Einträge.

Rasante Entwicklung: Ein münsteraner Politiker testet Anfang der
80er verzückt das neue Tastentelefon in der Trendfarbe beige.

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100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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