In dieser Woche vor 66 Jahren...

wurde der alte Zoo wiedereröffnet.

Fundraising-Genie Hermann Landois gründete Münsters Zoo 1875 zwischen Promenade, Himmelreichallee und Hüfferstraße, dort wo heute die LBS steht. Das Zoogelände war durch eine Brücke über die Aa zu betreten. Publikumsmagnet war die Elefantendame August (eigentlich Auguste), die Mundharmonika spielen konnte und in einem Elefantenhaus im Stil einer Moschee wohnte. Weitere Attraktionen waren zeitgemäße »Völkerschauen« fremder Ethnien.

Im Zoo lag auch das Naturkunde-museum (heute Musikschule) mit teils gruseligen Exponaten, u.a. dem in Spiritus eingelegten Arm eines von Ratten totgebissenen Kindes.
Im Krieg wurde der Zoo stark zerstört; viele Tiere starben. Die Elefanten wurden von den Belgiern als Reparationsleistung beschlagnahmt.

Das krasseste Ausstellungsstück des Naturkundemuseums im alten Zoo am Himmelreich: Die »appe« Kinderhand mit Rattenbissen.

Trotzdem konnte die Anlage schon ein Jahr nach Kriegsende im August wiedereröffnet werden. Nun ging der Erfolg erst richtig los. 1958 entstand sogar ein Fernsehfilm über Münsters Zoo.

Trotz einer halben Mio. Besucher p.a. kam das Ende überraschend: Der Chef der Westdeutschen Landesbank beanspruchte das Gelände für den Neubau seiner Bankzentrale. Alternativen lehnte er ab und drohte mit dem Fortzug der Bank nach Düsseldorf. Im Rathaus gab man notgedrungen nach und ließ den Zoo 1973 abreißen. Die Münsteraner hassten Bankchef Poullain dafür; für die Tiere war der Umzug an die Sentruper Höhe eine Befreiung aus der Enge des Pferchs. Vom alten Zoo stehen noch Eulenhaus und Adlerkäfig.

Das krasseste Ausstellungsstück des Naturkundemuseums im alten Zoo am Himmelreich: Die »appe« Kinderhand mit Rattenbissen.

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Autor: Carsten Krystofiak

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