In dieser Woche vor 55 Jahren...

kam Hans Albers nach Münster.

Der westfälische Heimatautor Josef Winckler landete 1923 einen Hit: Sein Roman »Der tolle Bomberg« verkaufte sich mehrere hunderttausend Mal. Hauptfigur ist der Baron von Bomberg, der mit derben Jackass-Späßen den westfälischen Adel aufmischt. Vorbild war Gisbert von Romberg aus Buldern, der Punk unter Westfalens höherer Gesellschaft.

Nach 1932 wurde das Buch 1957 zum zweiten Mal verfilmt. Diesmal mit Hans Albers in der Hauptrolle, sowie Harald Juhnke und Gerd Fröbe. »Im Münsterland geht‘s rund!«, versprach die Werbung. Zur Premiere in der Schauburg (später Stadt New York) an der Salzstraße kam der Film- und Bühnenstar Albers (»Große Freiheit Nr. 7«) persönlich nach Münster.

Großes Kino: Münster als Location für einen Film mit Starbesetzung. Dass die Presse den Film eher platt fand, war nicht so wichtig.

Als Werbegag wurde er nach Rombergs Vorbild in einer offenen Kutsche auf den Prinzipalmarkt gefahren und flößte dem Kutschpferd ein großes Glas Bier ein. Die Münsteraner hatten ihren Spaß mit dem volkstümlichen Schauspieler. Dass Albers seine Alkoholsucht ebenso gekonnt überspielte, ahnte damals niemand.

Die Kritiker bewerteten den Film als seichte Komödie. Albers verteidigte den Unterhaltungsstreifen: »Wir Deutschen müssen ja nicht immer nur „Die Linde unterm Eichenbaum“ oder „Es rieselt in den Rieselfeldern“ drehen.« Die Münsteraner waren stolz darauf, dass ihre Stadt als Location auf der Leinwand erschien, auch wenn die meisten Aufnahmen in Ostwestfalen gedreht wurden. Die FSK gab das Werk ab 12 Jahren frei. In die Filmgeschichte ging der Klamauk nicht ein.

Großes Kino: Münster als Location für einen Film mit Starbesetzung.
Dass die Presse den Film eher platt fand, war nicht so wichtig.

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Autor: Carsten Krystofiak

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