In dieser Woche vor 62 Jahren...

wurde das Mü-Mü zum Desaster.

Um den Münsteranern neue Attraktionen zu bieten, veranstaltete die Halle Münsterland das erste Münchner Oktoberfest an der Aa. Weil das Event die Verbundenheit der Orte München und Münster symbolisieren sollte, wählten die Marketingexperten den offiziellen Titel »Mü-Mü«. Doch das Mümü wurde zum Desaster...

Die Münsteraner blieben skeptisch und der Kartenverkauf lief nur schleppend, obwohl der Preis niedrigschwellig auf nur 1 DM festgesetzt wurde.

Nix Oktoberfest! Münsters Eingeborene verstanden die Gebräuche fremder Völker nicht gleich auf Anhieb...

Dann brach ein kurioser Streit aus: Um die 16-tägige (!) Veranstaltung zu bewerben, schmückten die Stadtwerke Münsters Busse mit blau-weißen Fähnchen. Viele Münsteraner fassten das wohl als bayerische Kriegserklärung auf und forderten vehement eine paritätische Beflaggung aus exakt genausovielen bayerischen wie münsterschen Fahnen. Die Busse wurden umdekoriert!

Der Festauftakt misslang durch eine peinliche PR-Panne, weil die Münchner Kapelle zur Eröffnung den Lieblingsmarsch Adolf Hitlers spielte!!

Rein besuchermäßig brachte das Mümü doch noch Geld in die Kasse der Halle Münsterland, aber die Pressestimmen waren eine Katastrophe: Münchner und Münsteraner schoben sich gegenseitig die Schuld an der schlechten Stimmung zu. Bayerische Zeitungen schrieben, das Oktoberfest sei an der »Sturheit der Westfalen« gescheitert; Münsters Lokalpresse gab entschieden Kontra.

Für lange Zeit blieb dies das letzte Münchner Oktoberfest in Münster...

Nix Oktoberfest! Münsters Eingeborene verstanden die Gebräuche
fremder Völker nicht gleich auf Anhieb...

Jetzt im Handel: Münster - Jede Woche hat ihre Geschichten.
100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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