In dieser Woche vor 33 Jahren...

ging Radio Fledermaus auf Sendung.

Vor 1986 gab es keine privaten TV- und Radiosender. Um das Meinungs-Monopol der staatlichen Rundfunkprogramme zu unterlaufen, gründeten linksalternative Gesellschaftskritiker „freie Radios“. Die illegalen Piratensender kaperten Frequenzen der UKW-Stationen.

In Münster ging an einem Freitag »Radio Fledermaus« auf Sendung. Auf 101 Megahertz brachten die Macher eine Viertelstunde lang neben Musik vor allem politische Meldungen und Kommentare aus ihrer Sicht - immer gejagt von Polizei und Bundespost. Die fuhr mit Peilwagen durch Münster, um den Schwarzsender aufzuspüren. Ein Katz- und Maus-Spiel.

Während der dritten Ausstrahlung hatten die Fahnder im Kreuzviertel Erfolg: Es kam zu einer Verhaftung und Beschlagnahme des Sendegerätes. Aber nicht zum Ende von Radio Fledermaus:
Später sendeten drei mobile Stationen in verschiedenen Stadtteilen abwechselnd, um die Peiler zu verwirren. Die relativ simple Technik ermöglichte es auch, Wegwerf-Sender auf hohen Gebäuden in Münster unauffällig zu deponieren.

Post-Peilung vs. Radio-Piraten: Der öffentlich-unrechtliche Rundfunk fand allerdings kaum breite Hörerschichten.

Doch neben dem Verfolgungsdruck stellte auch die Öffentlichkeitsarbeit für das illegale Projekt ein Problem dar. Neben nächtlich geklebten Plakaten und gesprayten Graffitis gab es wenig Werbemittel. Daher stieß Radio Fledermaus außerhalb des eigenen Milieus kaum auf Resonanz. Das wirkte demotivierend und führte bald zur Einstellung des Subversiv-Senders.

Post-Peilung vs. Radio-Piraten: Der öffentlich-unrechtliche Rundfunk fand allerdings kaum breite Hörerschichten.

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Autor: Carsten Krystofiak

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