In dieser Woche vor 69 Jahren...

tricksten die Kaufleute die DAF aus.

Die Nationalsozialisten wollten nach sozialistischer Art Gewerkschaften sowie Unternehmerverbände verstaatlichen. Das entsprechende Konstrukt nannte sich »Deutsche Arbeitsfront« (DAF) und wurde vom Alkoholiker Robert Ley geführt, der selbst bei öffentlichen Reden zuweilen lallte. Ende 1935 sollte es auch Münsters Verein der Kaufmannschaft treffen. Doch am Prinzipalmarkt war man schlauer als im Berliner Reichswirtschaftsministerium: Durch geschickte Hinhaltetaktik und Verzögerungsmanöver gelang es den Münsteranern, die Eingliederung in die Nazi-Einheitsfront zu verhindern.

»Reichstrunkenbold« Ley organisierte KdF-Reisen nach Madeira. Man witzelte, zum Captains Dinner würde »Ley blau in Madeira« serviert.

Zunächst fingierte man eine Vereinsauflösung. Dann verschleppten die Kaufleute jahrelang die Übergabe der Akten an das DAF-Rechtsamt. Nach Kriegsausbruch teilte der Vorstand den Berliner Behörden kurzerhand mit, dass die Unterlagen »durch Feineinwirkung verloren gegangen« seien. Dreist schrieb er: »Ich empfehle Ihnen, die Sache als vollkommen aussichtlos niederzuschlagen« und wies kaltschnäuzig darauf hin, »dass wir bei den zahlreichen Alarmen Tag und Nacht nicht in der Lage sind, Ihren Anspruch weiter zu bearbeiten.« Solche Frechheit konnte damals die Fahrkarte ins KZ sein.

Die Nazibehörde antwortete in sehr scharfem Ton, dass in Berlin trotz der Alarme sehr wohl gearbeitet würde. Man einigte sich aber darauf, die Angelegenheit bis nach dem »Endsieg« zu verschieben... Verschoben hieß in diesem Fall eben doch aufgehoben.

»Reichstrunkenbold« Ley organisierte KdF-Reisen nach Madeira.
Man witzelte, zum Captains Dinner würde »Ley blau in Madeira« serviert.

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Autor: Carsten Krystofiak

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