In dieser Woche vor 12 Jahren...

wurde das Sendschwert gestohlen.

Das Sendschwert ist Teil von Münsters Folklore. 1578 – vier Jahrzehnte nach den Wiedertäufern – ließ der Stadtrat das Schwert mit 114 cm langer Klinge und dem hölzernen Arm von einem Schmied aus Hamm anfertigen, um es während der Sendtage am Rathaus aufzuhängen. Die Botschaft war eindeutig: Wer den Marktfrieden bricht, macht mit dem Stahl nähere Bekanntschaft...

Bei Sendfriedensbruch Richtschwert! Nur Salafisten fänden das heute noch zeitgemäß. Aber ein Strafzettelblock am Rathaus?

Es hatte aber noch einen anderen Zweck: Es sollte dem Bischof klarmachen, dass hier die weltliche Gerichtshoheit des Stadtrates herrschte.

Über vierhundert Jahre tat das Schwert zu jedem Send seinen Dienst, lediglich der hölzerne Arm musste 1923 erneuert werden. Doch an einem Dienstagmorgen im Jahr 2000 war es plötzlich verschwunden. Am Vorabend hatte es ein städtischer Angestellter um 22 Uhr noch gesehen.

Ein paar Jahre zuvor war es schon einmal entwendet worden. Nachdem die Polizei damals in der Presse versprochen hatte, beide Augen zuzudrücken, wenn der Dieb es freiwillig zurückbringen würde, tauchte es tatsächlich wieder auf.

Doch diesmal brachte es kein reumütiger Täter zurück. Bald darauf ließ die Stadt eine Kopie anfertigen. Es war nicht das einzige Schwert, dass verschwand: Aus dem Rathaussaal wurde zwei Jahre später ein Henkersschwert gestohlen. Der Verdacht fiel auf Fans von Rot-Weiss-Essen, doch beweisen ließ sich nichts.

Beide Schwerter sind bis heute verschwunden. Die restlichen Blankwaffen im Rathaussaal sind seitdem besonders gesichert.

Bei Sendfriedensbruch Richtschwert! Nur Salafisten fänden das heute noch zeitgemäß. Aber ein Strafzettelblock am Rathaus?

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Autor: Carsten Krystofiak

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