In dieser Woche vor 71 Jahren...

fuhr Dr. Meyer zur Konferenz.

Auf der berüchtigten »Wannseekonferenz« wurden die Zuständigkeiten, technischen und logistischen Details des Völkermordes an den europäischen Juden festgelegt. Von den Teilnehmern kam einer aus Münster: Dr. Alfred Meyer, »Gauleiter« und Oberpräsident von Westfalen.

Meyer war aber nicht nur Münsters Regionalfürst, sondern auch Stellvertreter des Ministers für die besetzten russischen Gebiete. In dieser Eigenschaft wurde er zu der »Besprechung mit Frühstück« nach Berlin bestellt.

Erst Völkermord, dann Cognac. Harald Dietl spielt im Film »Die Wannseekonferenz« von 1984 Münsters Obernazi Dr. Meyer.

Von 12 Uhr mittags bis halb zwei brauchte das Dutzend Verwaltungsbürokraten, um zu besprechen, wie man elf Millionen Menschen einer »Sonderbehandlung« unterziehen wollte. Das Wort Ausrotten wurde vermieden.

Meyer war kein schweigsamer Teilnehmer, sondern brachte aktiv Vorschläge in die Runde der Staatssekretäre ein. Anschließend gab‘s Cognac.

1984 wurde die Konferenz verfilmt. Meyers Rolle übernahm der Schauspieler Harald Dietl, der Meyer aber kaum ähnlich sieht. Münsters Gauleiter war kein »Möbelpacker«, sondern eher mickrig.

Drei Jahre später wurde Meyer als Gauleiter notgedrungen auch Verteidigungsleiter für Westfalen. Hitlerjungs wurden mit Gewehren gegen britische Panzer geschickt, damit Meyer noch Akten verbrennen und fliehen konnte. Eine paar Tage nach Münsters Einnahme erschoss er sich im Wald.

Erst Völkermord, dann Cognac. Harald Dietl spielt im Film »Die Wannseekonferenz« von 1984 Münsters Obernazi Dr. Meyer.

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Autor: Carsten Krystofiak

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