In dieser Woche vor 14 Jahren...

war Roxy Hearts letzter Geburtstag.

Gerd Kreikenbaum war Student beim schon zu Lebzeiten legendären »Totalkünstler« Timm Ulrichs an Münsters Kunstakademie. Das Berufsverbot für (mutmaßliche) politische Extremisten machte einen Strich durch eine Lehrerstelle.

Also wurde Kreikenbaum eben freier Künstler, nannte sich fortan »Roxy Heart« und passte sein Äußeres dem Künstlernamen phantasievoll an. Einige damals innovative Ausstellungen brachten ihm erste Achtungserfolge. In Münsters Alternativszene wurde der junge Mann schnell prominent. Auch in der Lokalpresse machte Roxy Heart von sich reden.

Weiße Cowboystiefel waren in den 80ern einfach nicht mehr hip. Für Roxy Heart wurde daraus eine dramatische Existenzkrise

Seinen größten Erfolg hatte er mit seinen »Traumkästen«: Vitrinen, in denen er Plastikspielzeug und Kuriositäten zu bizarren Welten inszenierte.

Doch mit Anbrechen der 1980er Jahre endete die Ära Heart. Seine skurrile Kunst und sein Hippie-Outfit passten nicht mehr zum hektischen Zeitgeist der Achtziger. Der zierliche Mann wirkte seltsam aus der Zeit gefallen. Roxy Heart zog sich in seinen eigenen Traumkasten zurück – seine Wohnung in der Wermelingstraße im Kreuzviertel. Dort fand ihn Mitte Januar 2000 sein Nachbar, der Musiker Roger Trash, tot am Küchentisch sitzend.

Steffi Stephan übernahm Hearts Traumkästen und stellte sie in der Discothek Ex-Bad aus, die sich bis 2003 in der ehemaligen Germania-Brauerei befand. Heute stehen noch einige von Roxy Hearts Kunstwerken im Café Kling Klang.

Weiße Cowboystiefel waren in den 80ern einfach nicht mehr hip.
Für Roxy Heart wurde daraus eine dramatische Existenzkrise.

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Autor: Carsten Krystofiak

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