In dieser Woche vor 75 Jahren...

flog der falsche Graf auf.

Die Berliner Gestapo informierte Münsters Gauleitung über folgenden Fall:
Der Leiter der münsteraner katholischen Knaben-Mittelschule war in Berlin verhaftet worden. Er hatte sich als »Dr. Dr. h.c. Lutz Graf von Bothmar« ausgegeben und war mit einigen hohen Tieren aus Staat und NSDAP durch Berliner Nachtlokale gezogen, wo er »erhebliche Geldbeträge verausgabte«.

Er gab sich als ehemaliger Garde-Kavallerieoffizier aus und zeigte seinen Saufkumpanen bei jeder Gelegenheit den Orden »pour le merite« und das Eiserne Kreuz I. Klasse, die er allerdings bei einem Trödelhändler gekauft hatte – der »Hauptmann von Köpenick« lässt grüßen...
Die Ermittlungen ergaben, dass der falsche Offizier 30.000 Reichsmark aus der Kasse der münsteraner Klosterbrüder unterschlagen hatte. Um nicht aufzufliegen, fälschte er fortgesetzt Belege.

Mit Münsters Klosterkasse dicke Hose in Berlins Rotlichtszene – wie hier im legendären »Salon Kitty« der 1930er Jahre.

Aufgegriffen wurde er in einem berüchtigten Berliner Bordell, das als Massagesalon getarnt war. Hier hatte er gemeinsam mit einem Generalstaatsanwalt und einem Landgerichtsrat die Puppen tanzen lassen.

Die Gestapo zog daraus den Schluss, dass der falsche Graf vom münsteraner Klerus nach Berlin geschickt worden war, um dort zu sondieren, welche Repressalien das NS-Regime gegen die Kirche plante. Der Verdacht konnte aber nicht bewiesen werden.
Das Schicksal des Hochstaplers ist unbekannt...

Mit Münsters Klosterkasse dicke Hose in Berlins Rotlichtszene –
wie hier im legendären »Salon Kitty« der 1930er Jahre.

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Autor: Carsten Krystofiak

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