In dieser Woche vor 93 Jahren...

schloss die Uni wegen Bürgerkriegs

Nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges witterten Agitatoren die Chance zur kommunistischen Revolution. Die sozialdemokratische Ebert-Regierung handelte schnell und setzte »Freikorps« aus demobilisierten Frontsoldaten dagegen ein.

In Münster wurde die »Akademische Volkswehr« aufgestellt. Die Studenten waren erst kurz zuvor aus dem Schützengraben heimgekehrt. Ihr erster Einsatz war ein Abwehrring um Münster, um rote Brigaden aus dem Ruhrgebiet von der Stadt abzuschneiden.

Bürgerkrieg statt Bildungsstreik: Münsters Studis von der Akademischen Wehr als Regierungstruppe.

Drei Monate später: Nach dem rechtsradikalen Kapp-Putsch in Berlin werden Münsters Studenten erneut einberufen und als »Akademische Wehr Münster« bewaffnet. Die Universität wird komplett geschlossen.

Die studentische Truppe untersteht einem Professor, der Reservemajor ist. Das erste Gefecht findet bei Selm statt, wo sich rote Arbeiter in der Kolonie der Zeche Hermann II verschanzt haben. Bei den Kämpfen kommt ein münsteraner Student um. Nach Erstürmung der Zeche und Besetzung des Ortes Waltrop, marschieren die Akademiker nach Castrop-Rauxel, wo sie Hausdurchsuchungen vornehmen.

Von der Ruhrgebietsbevölkerung werden die Studi-Truppen voller Hass empfangen. Nach vier Wochen kleinerer Schießereien und Verhaftungen wird das Regiment von Dortmund aus nach Münster zurücktransportiert und aufgelöst.

Münsters kommenadierender Generalmajor dankte den Studis, dass sie »trotz aller persönlichen Bedenken ausgehalten haben«.

Bürgerkrieg statt Bildungsstreik: Münsters Studis von der Akademischen Wehr als Regierungstruppe.

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Autor: Carsten Krystofiak

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