In dieser Woche vor 239 Jahren...

mussten die Toten aus der City ausziehen.

Bis Ende des Mittelalters wurden Münsters Tote auf den Kirchhöfen der Pfarren beerdigt - in nur 30 cm Tiefe. Das führte zu Problemen: Hausschweine buddelten die Knochen aus, Verwesungsgeruch verpestete die Umgebung.

Als man begann, die Ausdünstungen der Toten mit Krankheiten in Verbindung zu bringen, wurde beschlossen, die Friedhöfe aus der Innenstadt zu verlegen.
Anfang April war der erste neue Begräbnisplatz fertig: Der Überwasserfriedhof an der Münzstraße, dort wo heute der Parkplatz zwischen Buddenturm und Finanzamt ist. Zwei weitere, an Sonnenstr. und Schützenstr., folgten.

Genauso trostlos und gruselig wie das Finanzamt: Der alte Überwasserfriedhof an der Münzstraße.

Doch die Münsteraner murrten: Die Kirchen, weil ihnen die Begräbnisgebühren entgingen; die Bürger, weil eine Bestattung am Stadtrand als nicht schick galt. Neben dem entzerrten Platzproblem blieben andere unschöne Aspekte ungelöst: So trieben manche Bürger weiter ihr Vieh auf den Friedhof, die »niedere Jugend«lärmte und hoolte herum.

Zwei Jahrzehnte später wurden noch drei weitere Friedhöfe (Wilhelmstr., Hörsterstr., Aegidiimarkt) eröffnet. Doch die Klagen blieben: Zu nah an Häusern und Promenade; Gefahr für Grundwasser und Gesundheit. Bald mussten die Ruhgestätten »aus sanitätspolizeilichen Gründen« aufgegeben werden.

Langfristig entspannte sich die Lage erst, als nach Prüfung der Standorte Coburg und Coesfelder Kreuz der Zentralfriedhof an der Himmelreichallee erschlossen wurde.

Genauso trostlos und gruselig wie das Finanzamt: Der alte Überwasserfriedhof an der Münzstraße.

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Autor: Carsten Krystofiak

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