In dieser Woche vor 433 Jahren...

rissen Wutbürger die Zäune ein.

Wo heute das Flussviertel ist, war im Mittelalter nur Botanik – die Mauritzheide. Das große Brachgebiet gehörte den Stiftsherren von Sankt Mauritz.

Obwohl die Riesenfläche unbebaut war, wussten die Eigentümer damit Geld zu verdienen: Sie erhoben eine Gebühr für weidende Pferde und Kühe. Zum 1. Mai 1580 wurden die Preise erhöht: Für jedes Tier, das auf der Mauritzheide Gras mampfte, mussten die Halter pro Saison zwei Pfennig zahlen.

Die Einnahmequelle machte Konkurrenten neidisch. Immer wieder versuchten die Kirchspiele St. Lamberti und St. Martini auf dem Rechtsweg ein Stück vom Kuchen abzukriegen. Doch das alleinige Eigentumsrecht des Mauritzstiftes war juristisch wasserdicht. Damit hatten die Mauritzer auch das Recht, die Grenzmarkierungen zu setzen.

Nicht mit uns!! Münsters Wutbürger 1.0 mit Fackeln & Forken auf dem Weg zur Mauritzheide!

Der Streit eskalierte: 1.500 münsteraner Wutbürger zogen als wütender Mob mit Äxten und Spaten zur Mauritzheide, demolierten Zäune und durchbrachen Wälle.
Der Aufstand hatte ein gerichtliches Nachspiel. Die Randalierer mussten kleinlaut zugeben, dass sie die Besitzverhältnisse durch ihre jahrelangen Mietzahlungen akzeptiert hatten.

Der Rechtsstreit um die Heide zog sich allerdings noch lange hin. Sehr lange: 200 (zweihundert!) Jahre später entschied als letzte Instanz das Reichskammergericht nach einem Gutachten der Uni Fulda – zugunsten von St- Mauritz.

Nicht mit uns!!
Münsters Wutbürger 1.0 mit Fackeln & Forken auf dem Weg zur Mauritzheide!

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Autor: Carsten Krystofiak

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