In dieser Woche vor 52 Jahren...

kam die Lok auf den Spielplatz.

Um die zweieinhalb Millionen Kubikmeter Trümmerschutt des Bombenkrieges wegzuräumen, wurde eine Werkslok der Betonbaufirma Peter Büscher & Sohn (PeBüSo) vom Hawerkamp eingesetzt. Die Lok zog mehrere Kipploren zwischen der zerstörten Altstadt und der Schutthalde auf dem damaligen Hindenburgplatz hin und her. Hier wurden die Trümmer zu haushohen Haufen aufgetürmt, die der Volksmund »Adolf-Hitler-Berge« nannte.

Die kleine Dampflok aus dem Baujahr 1910 wurde eine lokale Berühmtheit und ein Symbol des Wiederaufbaus. Im Jahr 1961 wurde sie endgültig ausrangiert. Das Unternehmen PeBüSo schenkte das Unikum der Stadt, die sie zur großen Begeisterung von Münsters Kindern auf dem Spielplatz am Zwinger aufstellen ließ.

Karrierestart im Sandkasten: Bandfoto mit Lok – das Sujet wurde ein Klassiker für Münsters Musiker. 2.v.o.: Udo L.

Damit stand einer kindlichen Selbstverwirklichung als Lokomotivführer nichts mehr im Weg. Generationen von Münsteranern haben das Gerät erklettert. Doch nicht nur Kinder, auch Jugendliche nutzten die Lok ausgiebig als originelles Sujet für Künstlerfotos: Etliche Bands haben auf dem Gefährt posiert, angefangen bei Udo Lindenbergs Panikorchester.

Im Herbst 2003 genügte die Lok nicht mehr den Anforderungen des Sicherheitsdenkens der Generation Fahrradhelm. Sie wurde demontiert und nach einer Rundüberholung am Kalkmarkt aufgestellt. Beklettern seitdem verboten!

Karrierestart im Sandkasten: Bandfoto mit Lok – das Sujet wurde ein Klassiker für Münsters Musiker. 2.v.o.: Udo L.

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Autor: Carsten Krystofiak

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