In dieser Woche vor 26 Jahren...

ging der erste Gig über die Gleis-Bühne.

Um ihr selbstverlegtes Punk-Fanzine (Fan-Magazin) »Aardvark« zu bewerben, veranstalteten die jugendlichen Herausgeber kleine Konzerte im Jugendzentrum JIB an der Hafenstraße.Weil sie es leid waren, Instrumente und Verstärker jedesmal durch das enge Treppenhaus in den dritten Stock zu schleppen, verlegten sie die Auftritte in das Café Gleis 22.

Der Tischtennisraum verschwand, stattdessen wurde eine kleine Bühne gezimmert. Für das erste Konzert buchte das Team die US-amerikanische Punkband Artless, die gerade in Europa auf Tour war und noch einen Termin frei hatte. Die Flyer wurden mit Klebestift und Schreibmaschine gebastelt.

Unverschämt, dafür noch Geld zu verlangen: Die »kommerzielle« Vorgruppe beim ersten Konzert im Gleis 22.

Als Vorgruppe trat die Punkband »R.A.F.Gier« aus Münster auf, deren Sänger später Chef der Musikmesse PopKomm wurde. Diskussionen gab es ums Geld: Viele der rund hundert Fans maulten an der Kasse, weil der Eintrittspreis mehr als fünf D-Mark kosten sollte; ein Punk-Pummelchen forderte Rederecht auf der Bühne und prangerte die Vorgruppe wegen ihrer Gagenforderung (»300 Mark!!«) empört als »kommerziell« an.

Dennoch ging der Konzertbetrieb weiter und wurde stetig erfolgreicher. Rund 4.000 Bands haben seitdem im Gleis gespielt, darunter international berühmte Namen wie The Fall, Mando Diao, Turbonegro u.v.a. Das Gleis wurde mehrfach mit dem Titel »Bester Club Deutschlands« ausgezeichnet.

Unverschämt, dafür noch Geld zu verlangen: Die »kommerzielle« Vorgruppe beim ersten Konzert im Gleis 22.

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Autor: Carsten Krystofiak

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