In dieser Woche vor 56 Jahren...

startete der Kiepenkerl-Express.

ÖPNV der Fünfziger: Von Münster per Express ins Sauerland mit dem Kiepenkerl-Zug im Retro-Design.

1846 gestattete der König von Preußen seinen westfälischen Untertanen gnädigst den Bau einer Bahnlinie von Köln nach Minden. Die Bahn teilte Westfalen in Gewinner und Verlierer. Verlierer waren die Sauerländer, die nun weit abseits des neuen Verkehrsweges lagen.

Darum genehmigte der König auch noch eine Bahn von Warstein nach Lippstadt. Dabei gab es viele Probleme, u.a. 200 Meter Höhenunterschied des Möhnetals und die Prinzessin Pauline zur Lippe, die fürchtete, die Züge könnten ihre Kutschpferde erschrecken. Trotzdem konnte die »Westfälische Landes-Eisenbahn« (WLE) bald eröffnet werden. Das bedeutete das Aus für den bis dahin bestehenden Postkutschendienst Westfalens. Die standardisierten Bahnhofsgebäude gingen als »WLE-Stil« in die Architekturbegriffe ein.

In den 1950er Jahren pendelte auf dieser Strecke der »Kiepenkerl-Express« von Münster über Soest und Brilon nach Bad Wildungen. Im Sommer lieferte der Kiepenkerl Feriengäste, im Winter Skitouristen von Münster ins Sauerland. Der Zug im Chrom- und Stromliniendesign der 50er Jahre wurde legendär.

Doch der zunehmende Individualverkehr mit dem eigenen Auto machte die Strecke bald unrentabel. 1960 fuhr der Kiepenkerl-Express zum letzten Mal. Bilder und Modelle der dunkelroten Lok mit den Silberstreifen sind bei Sammlern heißbegehrt.

ÖPNV der Fünfziger: Von Münster per Express ins Sauerland mit dem Kiepenkerl-Zug im Retro-Design.

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Autor: Carsten Krystofiak

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