In dieser Woche vor 67 Jahren...

begann eine Newcomer-Karriere.

Mitten im Krieg bewarb sich die neunzehnjährige Büroangestellte Ruth beim münsterschen Theater als Schauspielerin. Etwas Erfahrung hatte sie schon mit Wanderbühnen im Münsterland gesammelt. Sie hatte Glück und bekam eine kleine Rolle. Doch schon wenige Monate darauf war die Vorstellung schon wieder vorbei – sie wurde zur Arbeit in einer Rüstungsfabrik eingezogen.

Münsters Lokalpresse war entzückt und bald waren es Millionen Kinogänger auch – Ruth Leuwerik wurde zum Star der 50er.

Gleich nach Kriegsende kehrte sie zur Bühne zurück – doch Münsters Theater war nur noch eine Ruine. Die ersten Vorstellungen in der Spielzeit 1945/-46 fanden in ungeheizten Trümmerräumen ohne elektrisches Licht statt. Kostüme und Kulissen gab es nicht. Dennoch kam das junge Nachwuchstalent als Gretchen in Goethes »Faust« sehr gut an. Der Kritiker der Westfälischen Nachrichten war begeistert: »Ein ganz entzückendes Kabinettstückchen naiv-komischer Schauspielkunst bescherte uns Ruth Leuwerik als unrettbar flatterhaftes Mädchen.«

Mit diesen Lorbeeren in der Tasche verließ die Newcomerin Münster und wurde kurz darauf zum bekanntesten Filmstar der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie in vier aktuellen Kinofilmen gleichzeitig in einer Hauptrolle zu sehen.

Vom »naiv-komischen Mädchen« wurde Leuwerik zum Prototyp der selbstbewussten Frau im Kino der Adenauer-Ära. Die Ex-Diva lebt heute in München. 2004 eröffnete sie an den Städtischen Bühnen Münster eine große Fotoausstellung - natürlich über sich selbst.

Münsters Lokalpresse war entzückt und bald waren es Millionen Kinogänger auch – Ruth Leuwerik wurde zum Star der 50er.

Jetzt im Handel: Münster – Jede Woche hat ihre Geschichten.
100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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