In dieser Woche vor 76 Jahren...

wurde Niemöller verhaftet.

Am Ende des Ersten Weltkriegs zog U-Boot-Kommandant Martin Niemöller nach Münster um evangelische Theologie zu studieren. Er zog ins Erphoviertel.

Bald stieg er zum Geschäftsführer der Inneren Mission auf und gründete die erste evangelische Bank Westfalens, die »Bank für Kirche und Diakonie«. Zwölf Jahre war Niemöller Münsteraner. 1930 trat er sogar als Kandidat einer eigenen evangelischen Partei zur Kommunalwahl für einen Sitz im Rathaus an.

Zwischen Görres- und Martin-Luther-Straße bekam Niemöller einen nach ihm benannten Park mit Gedenkstein.

Dabei war er eigentlich ein Fan von Hitlers NSDAP. Allerdings nicht mehr lange: Ein Jahr später ging Niemöller als Pfarrer nach Berlin und rasselte bei einem Empfang prompt mit Hitler in einem Streit aneinander. Die öffentliche Abkanzelung hat Hitler ihm nie verziehen. Als sich die kirchenfeindliche Nazi-Politik immer stärker entfaltete, nahm Niemöller kein Blatt vor den Mund.

Doch das Imperium schlug zurück: Die Gestapo verhaftete Niemöller und verschleppte ihn auf Hitlers Befehl als dessen »persönlicher Häftling« ins KZ. Nach einer Odyssee durch mehrere Lager wurde er am Kriegsende gemeinsam mit seinem Mithäftling Hermann Pünder befreit, der später Münsters Regierungspräsident wurde.

Niemöller kam jetzt erst richtig in Fahrt und nutzte seine Kirchenämter, um politisch mitzumischen. Pausenlos und mit pastoralem Eifer meldete er sich als radikaler Pazifist zu Wort und trat der Bundesregierung und den USA oft verbal vors Schienbein, während er den kommunistischen Machtblock marginalisierte. So polarisierte Niemöller bis zu seinem Tod 1984.

Zwischen Görres- und Martin-Luther-Straße bekam Niemöller einen nach ihm benannten Park mit Gedenkstein.

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Autor: Carsten Krystofiak

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