In dieser Woche vor 115 Jahren...

war Generalprobe im Hafen.

Vor hundert Jahren ließen sich Großbauprojekte wie der Dortmund-Ems-Kanal noch ohne »Wutbürger«-Proteste und Juchtenkäfer-Alarm durchziehen. Darum war Münsters Stadthafen auch nach nur zweijähriger Bauzeit fertig.

Die überwiegend holländischen Arbeiter, die wegen hoher Arbeitslosigkeit in den östlichenNiederlanden kamen, hatten ordentlich rangeklotzt. Gleichzeitig waren auch der
Zollhafen an der Schleuse, der Privathafen der Spedition Peters und der Bootshafen des Rudervereins fertig geworden.

Holländische Fliesenkunst im Hausflur an der Ottostraße 15 in Klein-Muffi vom Kanalarbeiter Otto to Berens.

Vor der offiziellen Eröffnungsfeier gab es eine Generalprobe: Ein mit Holz beladener und zahlreichen Fahnen geschmückter Kahn aus Papenburg legte als erstes Schiff im münsteraner Hafen an. Alles klappte tadellos.

Nach der richtigen Eröffnung wurde im Hafen vor allem Schweinefuttergerste vom Schwarzen Meer gelöscht, sowie Bauholz aus Russland und Skandinavien. Das wichtigste Exportgut war Zement aus dem Werk Anneliese bei Enningerloh.

Mit Fertigstellung des Hafens verloren über viertausend Arbeiter ihre befristeten Jobs. Viele Holländer, Polen und Italiener blieben und siedelten sich in der ehemaligen Kolonie Werse-Delstrup an, zwischen Herz-Jesu-Kirche und Kanal.

Die Holländer bezeichneten die Münsteraner abfällig als »Muffen«, was die Münsteraner aber nicht verstanden und die Holländer wegen dieser typischen Redensart ebenfalls so nannten. Darum bekam das Viertel schnell den Beinamen »Klein-Muffi«.

Holländische Fliesenkunst im Hausflur an der Ottostraße 15 in Klein-Muffi vom Kanalarbeiter Otto to Berens.

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Autor: Carsten Krystofiak

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