In dieser Woche vor 22 Jahren...

schlug sich Roger Trash wacker.

Um seine Karriere als Rockmusiker zu beflügeln, überzeugte der Münsteraner Roger »Trash« Dewald seine Plattenfirma von der Werbewirksamkeit eines Videos, das ihn bei einem Boxkampf zeigen sollte.

Auf der Paderborner Libori-Kirmes stieg Roger Trash in den Ring der Schausteller-Boxtruppe Schlüter. Vor johlenden Fans und Schaulustigen begann Trash den Kampf sehr offensiv. Doch in der zweiten Runde schlug sein Gegner Schlüter Junior III hart zurück und schickte Trash auf die Bretter. Das Blut tropfte aus der Nase. Das Ergebnis war nicht abgesprochen, der Kampf kein Fake.

Für ein Musikvideo trat Roger Trash im Ring gegen einen Profiboxer an. Er verlor zwar Blut, gewann aber viel Sympathie.

Die Single »Sweat & Blood« wurde allerdings ein mäßiger Erfolg, auch wenn die Schlüter-Boxer im Studio einen passablen Nordkurven-Chor einsangen.

Nach dieser harten Erfahrung im Rockmusikgeschäft verlegte sich Roger auf ruhigere Klänge und Lesungen. Er schrieb einfach die lustigen und traurigen Anekdoten aus seinem Rockmusikerleben auf. Seine Bücher verkauften sich bald besser, als seine Platten.
Erfolg hatte er außerdem mit Revuen von Rio Reiser und Hermann Brood.

Vor allem im Osten Deutschlands gewann der Münsteraner zahlreiche treue Fans - darunter viele weibliche. Trash kannte jeden Bahnsteig zwischen Nordsee und Alpen: Zu seinen Jahr für Jahr weit über hundert Soloauftritten in kleinen Clubs und Kneipen reiste er mit dem Zug.

2011 starb Roger Trash in Münster an Krebs.

Für ein Musikvideo trat Roger Trash im Ring gegen einen Profiboxer an.
Er verlor zwar Blut, gewann aber viel Sympathie.

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100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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