In dieser Woche vor 29 Jahren...

verstarb Heinrich Austermann.

Heini Austermann kam zum Studieren nach Münster. Nach dem Examen bekam er einen Job in der Stadtverwaltung. 1938 befahl Hermann Göring die »Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben«. Das hieß, jüdische Geschäftsinhaber wurden enteignet. Die rechtliche Abwicklung der »Arisierung« in Münster erledigte das städtische Rechtsamt, Dienststelle 6 - mit Assessor Austermann.

Der fleißige Beamtenanwärter organisierte Firmenabwicklungen und Grundstücksverkäufe. Widerstand war sinnlos: Schadenersatz zu fordern, hätte die Fahrkarte ins KZ bedeutet. Bald meldete Austermann: »In Münster befinden sich keine jüdischen Geschäfte mehr.« Die Enteignung war der erste Schritt zur Vernichtung.

Ahnengalerie der Stadtdirektoren im Stadthaus I. Wie lange Arisierer Austermann wohl noch dort hängt...?

Nach dem Krieg zeigte Austermann ein anderes Gesicht: Er wurde Oberstadtdirektor und blieb es über 20 Jahre. In seiner langen Dienstzeit setzte er den Wiederaufbau historischer Gebäude durch (gab allerdings andere dem Abriss preis). Er förderte die Entwicklung neuer Stadtteile und brachte die Eingemeindung der ländlichen Vororte auf den Weg. Austermann wurde Mitglied des Städtetages und der Bundesanstalt für Arbeit. Er erhielt nicht nur die Ehrenbürgerwürde der Stadt Münster, sondern auch von Orleans.

1984 verstarb der Ehrenbürger in Münster. Fünf Jahre später benannte die Stadtverwaltung eine Straße zwischen Steinfurter Str. und Horstmarer Landweg nach ihm.

Ahnengalerie der Stadtdirektoren im Stadthaus I. Wie lange Arisierer Austermann wohl noch dort hängt...?

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Autor: Carsten Krystofiak

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