In dieser Woche vor 254 Jahren...

wurde Münster zuletzt belagert.

Münster wurde in seiner Geschichte oft belagert. Zuletzt von hannoveraner-hessischen Truppen. Die wollten Münster den Franzosen entreißen, die es eben erst besetzt hatten. Wegen Münsters starkem Verteidigungsring war das gar nicht so einfach. Darum setzte General von Imhof auf eine neue Strategie:

Statt die Befestigungsmauern zu beschießen, ließ er die Kanonen ab vier Uhr morgens in die Stadt hinein feuern. Die Folgen waren verheerend. Aegidii-, Ludgeri- und Überwasserviertel lagen am stärksten unter Beschuss. Die Münsteraner flohen in die Kirchen.

Münsters Verteidigungsring erwies sich als überholt, weil er nicht vor fliegenden Kanonenkugeln schützte.

Mittags geriet das Haus des Bäckers Röers auf der Hörster Straße in Brand. Weil sich wegen des Bombardements niemand zum Löschen auf die Straße wagte, griffen die Flammen schnell um sich. Bald brannte die ganze Hörster Straße bis zur Neubrückenstraße. Gegen 17 Uhr traf eine Kanonenkugel mit Brandmaterial den Kirchturm von St. Martini. Um 22 Uhr stürzte die Kuppel ein.

In einem Augenzeugenbericht heißt es: »Das feurige Gewitter währte bis am anderen Morgen um 3 Uhr. ... Die unglücklichen Einwohner, welche ein solches Schicksal nicht vermutet und von ihren Sachen nichts gerettet hatten, suchten in der Flucht ihre Sicherheit. ... Vielleicht werden sich noch die Kindeskinder das Elend einer belagerten Stadt zur Genüge vorstellen können.« Neben dem Kirchturm fielen 202 Häuser in Schutt und Asche.

Als Konsequenz daraus, dass die Befestigung die Stadt nicht schützen konnte, wurde der Verteidigungsring niedergelegt - und ist heute die Promenade.

Münsters Verteidigungsring erwies sich als überholt, weil er nicht vor fliegenden Kanonenkugeln schützte.

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Autor: Carsten Krystofiak

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