In dieser Woche vor 14 Jahren...

starb Raissa Gorbatschowa.

1992 hieß der deutsche Wirtschaftsminister noch Jürgen Möllemann. Der Münsteraner lud den russischen Präsidenten Gorbatschow zu sich nach Hause ein. »Gorbi«, der die kommunistische Sowjetunion geöffnet und der deutschen Wiedervereinigung den Weg geebnet hatte, wurde auf dem Prinzipalmarkt begeistert bejubelt.

Sieben Jahre später kam er nochmals nach Münster, doch sein Anlass war ein trauriger: Seine Frau Raissa war an akuter Leukämie erkrankt.

Die »First Lady« des Kreml war sehr gebildet und setzte sich stark für Kultur, Soziales und Frauenrechte ein. Eine »Lady Di« des Ostens war sie jedoch nicht: Ihr für Sowjetverhältnisse glamouröser Stil brachte ihr im heruntergewirtschafteten Russland auch Kritik ein.

Acht Wochen lang kämpften die Ärzte der Uniklinik um das Leben der First Lady des Ostens. »Gorbi« meidet seitdem Münster.

Krebsspezialisten der Uniklinik Münster versuchten, ihr Leben zu retten. Acht Wochen lang wurde Gorbatschowa im UKM behandelt. Der Präsident saß die meiste Zeit an ihrem Bett. Manchmal ging er allein um den Aasee. Nur wenige Spaziergänger erkannten ihn.
Die Medien hielt er fern. Ein einziges Interview gab er den Westfälischen Nachrichten, machte aber zur Bedingung, dass nur über seine Frau und nicht über Politik geredet würde.

Das Professorenteam der Uniklinik verlor den Kampf. Raissa Gorbatschowa starb in Münster, beerdigt wurde sie in Moskau. »Gorbi« zeigte sich sehr ergriffen von der Anteilnahme der Münsteraner. Trotzdem sagte er, er wolle Münster nie wiedersehen.

Acht Wochen lang kämpften die Ärzte der Uniklinik um das Leben der First Lady des Ostens. »Gorbi« meidet seitdem Münster.

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Autor: Carsten Krystofiak

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