In dieser Woche vor 55 Jahren...

wartete die Uni auf Golo Mann.

Es wäre ein dicker Fang für die Uni Münster gewesen: Der berühmte Historiker und Literat Golo Mann wollte von der Claremont-University in Kalifornien als Professor für Politikwissenschaften an die WWU wechseln! Golo Mann war Sohn des weltbekannten Nobelpreisträgers Thomas Mann (»Die Buddenbrooks«).

Nachdem er beim Schultheater einmal die Rolle des Wallenstein spielen durfte, faszinierte ihn die Gestalt des legendären böhmischen Generalissimus so sehr, dass er 1971 eine historische Biographie über Wallenstein veröffentlichte, mit der er internationalen Ruhm erwarb.
Doch zunächst war er nur ein emigrierter Hochschullehrer in den USA. Seine Studenten beschrieb er als »höhnisch, unfreundlich und saudumm«.

Kein Wunder, dass er auch in Deutschland keinerlei Sympathie für die Studentenbewegung aufbrachte und als Konservativer heftig mit linken Intellektuellen aneinanderknallte. Adorno und Horkheimer waren für ihn »Lumpen«. Stattdessen unterstützte er lieber Franz Josef Strauß.

Ulrike Meinhof und Golo Mann hätten sich im Hörsaal sicher herrlich gefetzt – nur Mann kam nicht. Gekniffen?

Zum Wintersemester sollte Golo Mann nun seine Antrittsvorlesung am Institut für Politikwissenschaft an der Scharnhorststraße halten. Bloß – er kam nicht.
Statt seinem Ruf zu folgen, reiste er nach Stuttgart, um an der dortigen TU zu lehren. Weil er seine Studenten nicht mochte, verfiel er in Depression. Die Konfrontation mit Münsters Protestbewegung, der zu dieser Zeit auch die Politikstudentin Ulrike Meinhof angehörte, blieb aus...

Ulrike Meinhof und Golo Mann hätten sich im Hörsaal sicher herrlich gefetzt – nur Mann kam nicht. Gekniffen?

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Autor: Carsten Krystofiak

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