In dieser Woche vor 205 Jahren...

bekam Münster eine Bezirksregierung.

Am zweiten Weihnachtstag wurde im ostpreußischen Königsberg die »Verordnung wegen verbesserter Provinzial-, Polizei- und Finanzbehörden« erlassen. Das war die Geburtsstunde der Bezirksregierungen.

Betonplatte statt Renaissance-Giebel: Architekturverbrechen der 1960er Jahre zwischen restauriertem Dom und Rathaus.

Erster Präsident der Bezirksregierung Münster wurde der Freiherr vom Stein. Er residierte in der ehemaligen Kanzlei des Fürstbischofs am Domplatz. Das Gebäude aus dem Mittelalter wurde 1885 abgebrochen und durch ein neues Präsidium im Stil niederländischer Renaissance mit kunstvollen Verzierungen und riesigen Räumen ersetzt.

Lange war die Behörde die bestgehasste Institution der Stadt: Katholische Bauern und Adelige dissten die protestantischen preußischen Beamten. Erst Wilhelm II. gelang die Integration.

Nach dem Krieg bildeten die Engländer das Land Nordrhein-Westfalen, behielten aber die früheren Regierungsbezirke bei. Seitdem werden Teile des Sauerlandes und Ruhrgebietes vom Domplatz in Münster verwaltet.

Obwohl das Amtsgebäude den Bombenkrieg wundersamerweise völlig unbeschadet überstand, wurde es 1965 dem Abbruch preisgegeben. Viele Münsteraner waren darüber doppelt wütend: Wegen der unnötigen Zerstörung eines historischen Gebäudes und der bemerkenswerten Hässlichkeit des Neubaus, der die brutalstmögliche Dissonanz zu Dom und Rathaus darstellte. 2006 wurde der Plattenbau wenigstens kosmetisch aufgewertet.

Betonplatte statt Renaissance-Giebel: Architekturverbrechen der 1960er Jahre zwischen restauriertem Dom und Rathaus.

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Autor: Carsten Krystofiak

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