In dieser Woche vor 206 Jahren...

kam König Lustik auf den Thron.

Jerome Bonaparte war der jüngste Bruder Napoleons. Anders als sein großer Bruder interessierte sich Jerome nicht besonders fürs Militärische, sondern mehr für die Mädels.
Zu seinem Leidwesen wurde er von Napoleon immer wieder genötigt, Soldat zu spielen. Widerwillig musste er sich sogar zum General ernennen lassen. Dabei wollte er viel lieber Party machen.

Bald bekam er dazu endlich Gelegenheit: Napoleon bildete nach der Besetzung Deutschlands aus preußischen, niedersächsischen und hessischen Gebieten das Königreich Westphalen mit Kassel als Hauptstadt und setzte seinen kleinen Bruder als König ein.
Jerome regierte ein Reich von der Ems bis zur Elbe und von der Nordsee bis Marburg.

Seine Untertanen nannten ihn »König Lustik«, weil der einzige Satz, den er auf deutsch konnte, lautete: »Morgen wieder lustik!!« Seinen Vornamen Jerome verballhornten die des Französischen unmächtigen Westphalen zu »Schrohm«. Ein Schrohm wurde bald zum festen Begriff für einen Witzbold und Weiberheld.

»Morgen wieder lustik!« Der König von Westphalen war ein echter Schrohm! Die Party dauerte allerdings nur sechs Jahre.

Aber das lustige Leben hatte schnell wieder ein Ende: Nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug und der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Königreich Westphalen aufgelöst und die traditionelle Gebietsstruktur wieder hergestellt. König Lustik musste nach Paris fliehen und ging später nach Österreich.

»Morgen wieder lustik!« Der König von Westphalen war ein echter Schrohm! Die Party dauerte allerdings nur sechs Jahre.

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Autor: Carsten Krystofiak

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