In dieser Woche vor 30 Jahren...

gründete sich Münsters letzte Punkband

Anfang Januar trafen sich vier pubertäre Punk-Teenies in einem Keller in der Aaseestadt, um eine Band zu gründen. Der Zeitpunkt war ungünstig: Punkrock begann schon anachronistisch zu werden.

Der Name der Kapelle war kryptisch: „Äni (x) Väx“. Doch die Jungs erlangen schnell lokale Popularität - nicht zuletzt durch Farbspradosen und Lackstifte. Und schon bald treten sie im ganzen Bundesgebiet zwischen Hamburg und Bodensee auf.

Obwohl sie es nie zu einem eigenen Plattenvertrag bringen, platzieren sie einzelne Songs auf insgesamt fünf LP-Samplern. Weitaus größere Verbreitung finden ihre Stücke auf damals üblichen Mix-Musikcassetten, die von Mikro-Labels in der ganzen Welt vertrieben werden. So landen ihre Lieder auf US-amerikanischen, australischen und sogar neuseeländischen Compilation-Tapes.

„Kultpunk“ aus der Mülltonne: Auch ohne LP wurden Münsters Teenie-Punks mit dem seltsamen Namen international bekannt.

Obwohl Äni (x) Väx nur rund zwei Dutzend Auswärts-Gigs spielen, gewinnen sie schnell Bekanntheit, weil sie die Bedeutung der Fanzine-Presse erkennen: So gut wie alle der unzähligen Selbstverlag-Punkmagazine, die meist auf Konzerten verkauft werden, drucken die Bandgeschichte der Münsteraner. Selbst das US-Musikmagazin „Maximum Rock n‘ Roll“ lobt die Münster-Punks.

Nach nur zwei Jahren löst sich die Band wieder auf - mit einer furiosen Abschieds-Gala im ausverkauften Odeon-Club an der Frauenstraße. Heute werden nicht lizensierte Nachpressungen ihrer Sampler-Titel als »Kultpunk aus den 80ern“ im Internet gehandelt.

„Kultpunk“ aus der Mülltonne: Auch ohne LP wurden Münsters Teenie-Punks mit dem seltsamen Namen international bekannt.

Jetzt im Handel: Münster - Jede Woche hat ihre Geschichten.
100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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