In dieser Woche vor 116 Jahren...

baute sich Boni seine Boniburg.

Reichsgraf Bonifazius von Hatzfeldt-Trachenberg hatte gut geheiratet: Seine Frau Olga war zwar klein, dick und bärtig - aber sehr reich. Die moldawische Prinzessin hatte nämlich den Verkaufserlös vieler tausend Schweine zur Hochzeit bekommen. Die Münsteraner nannten sie deswegen »Schweineprinzessin«, mochten die originelle Adelige aus Bessarabien wegen ihrer Gutmütigkeit aber sehr.

Mit Olgas Kohle baute Graf Bonifazius seine Villa am Wersebogen beim Gut Dyckburg aufwendig um. Aus dem Haus wurde eine Burg im historisierenden Stil der Zeit. »Onkel Boni« nannte sie »Boniburg« und ließ die Bezeichnung sogar offiziell in das Gothaer Adelsverzeichnis eintragen.

Der Stolz von Schweineprinzessin Olga und Onkel Boni: Die Boniburg in ihren besten Zeiten. Wenigstens wurde dort kein Hochhaus gebaut.

Nach dem Tod von Olga und »Onkel Boni« kaufte die Stadt Münster die Boniburg und machte sie als »Kurhaus« zu einem beliebten Ausflugslokal. Den Krieg überstand die Boniburg lediglich leicht lädiert. Fast zehn Jahre beschlagnahmten die Besatzungsmächte das Gebäude. Verschiedene alternative Nutzungspläne (Seniorenstift, Schwesternheim, Festsaal) wurden nicht realisiert. Obwohl die Münsteraner sehr an ihrer Boniburg hingen, wurde der Stadt allmählich der Unterhalt zu teuer.

Anfang der 1970er ereilte die Boniburg dasselbe Schicksal wie die beiden anderen größten erhaltenen Jugendstilvillen, Zimmermann (Kinderhaus) und Gescher (Mauritzheide) – 100 Kilo Sprengstoff machten die Burg platt. Heute hätten die Immobilien einen sagenhaften Wert.

Der Stolz von Schweineprinzessin Olga und Onkel Boni:
Die Boniburg in ihren besten Zeiten.
Wenigstens wurde dort kein Hochhaus gebaut.

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Autor: Carsten Krystofiak

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